The Holocaust Historiography Project

Arthur R. Butz archive


Geschichtlicher Hintergrund und Perspektive in der ‘Holocaust’-Kontroverse

Von Prof. Dr. Arthur R. Butz
Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 3(4) (1999), S. 391-410.

Anfang Oktober 1999 erschienen in vielen Zeitungen der Welt Meldungen, denen zufolge die britische Historikerin Barbara Rogers im britischen Zentralarchiv in London einen Geheimbericht des britischen Außenministeriums gefunden hat, der beweist, daß die Westalliierten bereits gegen Ende 1942 über Auschwitz informiert worden seien. Am 8. Dezember 1942 sei US-Präsident Franklin D. Roosevelt mit Vertretern der jüdischen Gemeinschaft der USA zusammengetroffen. Der dabei verfaßte Bericht erwähnt, »daß Gebäude an der ehemaligen russischen Grenze von den Deutschen als Gaskammern genutzt werden, in denen Tausende von Juden getötet werden.« (Nürnberger Nachrichten, 4.10.1999). Dieser Pressebericht vervollständigt jene Darstellung von Prof. Dr. Richard Breitman in seinem jüngst erschienenen Buch Staatsgeheimnisse. Die Verbrechen der Nazis — von den Alliierten toleriert (Blessing, München 1999), in dem Breitman all jene Details zusammentrug, die darauf hinweisen, daß die Westalliierten von allerlei antifaschistischen und jüdischen Organisationen frühzeitig und detailliert über das informiert wurden, was diese Organisationen die Westalliierten glauben machen wollten. Daß die Westalliierten aber dennoch nicht reagierten — etwa indem sie es unterließen, Auschwitz zu bombardierten oder lautstarken öffentlichen Protest zu erheben —, bringt nicht nur den jüdischen Autor Breitman zunehmend in Rage. Diese Enthüllungen sind jedoch weder neu noch überzeugend, da sie in kaum zu überbietender Einseitigkeit all jene Fakten ausblenden, die die westalliierten Geheimdienste und Regierungen damals zur Überzeugen kommen ließen, daß die ihnen zugespielten Informationen nichts weiter sind als Propagandamärchen. Anstatt das Rad ein zehntes Mal zu erfinden, drucken wir als Erwiderungen auf diese erneuten unwissenschaftlichen Einseitigkeiten einen Beitrag von Prof. Dr. Arthur R. Butz erstmals in deutscher Übersetzung ab, der im Jahr 1982 verfaßt wurde. Darin wird überzeugend dargelegt, warum bei einer umfassenden, allseitigen Betrachtung der wichtigsten historischen Argumente für und wider den sogenannten Holocaust die Behauptung absurd erscheinen muß, auch die Alliierten seien aufgrund unterlassener Hilfeleistung an dieser Katastrophe mitschuldig.


Einleitung

Wenn wir bei der Diskussion über irgendein Thema jemandem vorhalten, er sehe vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr, unterstellen wir ihm eine ganz spezifische intellektuelle Schwäche. Wir behaupten durchaus nicht, er sei inkompetent, oder seine Ansichten zum erörterten Thema seien falsch oder unmaßgeblich. Sie mögen sehr wohl das Ergebnis tiefschürfender und scharfsinniger Untersuchungen sein, die einem jeden zur Ehre gereichen würden. Der Ausdruck vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen bedeutet, daß der Betreffende sich so sehr in Einzelheiten verliert, daß er nicht mehr imstande ist, den Gegenstand seiner Überlegungen in einen größeren Zusammenhang einzuordnen; würde man ihn von einer höheren Perspektive aus betrachten, so ließen sich viele der mit dem Thema verknüpften Schwierigkeiten auf einen Schlag lösen.

Als ich vor drei Jahren erstmals als Redner bei einer Konferenz des Institute for Historical Review auftrat, griff ich dieses Problem ausdrücklich auf. Ich wies auf ein Argument hin, welches auf Seite 3 meines Buchs Der Jahrhundertbetrug steht und, konsequent verfolgt, einen großen Teil meiner Studie überflüssig gemacht hätte:[1]

Der einfachste stichhaltige Grund, der Judenvernichtungsbehauptung gegenüber skeptisch zu sein, ist:

Nach Kriegsende waren sie noch da!

Während der ganzen Holocaust-Kontroverse kehrten meine Gedanken immer wieder zu diesem Punkt zurück. Daß dermaßen hitzig über den Holocaust gestritten, das eben erwähnte Argument aber nur höchst selten vorgebracht wird, wirft Fragen auf, die einer näheren Untersuchung wert sind.

Einerseits beweist die Tatsache, daß ich die obige sowie einige ähnliche Erwägungen in meinem Buch sehr wohl angestellt habe, daß ich nicht zu jenen gehöre, die vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen. Andererseits verliere ich mich an einigen Stellen meiner Studie so sehr in obskuren Einzelheiten, daß man mir diesen Fehler zumindest ansatzweise vorwerfen könnte. Dieses doppelgleisige Vorgehen stellt das Thema meines heutigen Referats dar. Einerseits möchte ich den Wald zeigen, d.h. ich möchte den Holocaust deutlicher als zuvor in den breiteren geschichtlichen Rahmen des zwanzigsten Jahrhunderts einbetten. Andererseits will ich darlegen, daß ein erheblicher Teil der in den letzten Jahren durchgeführten Forschungen, meine eigenen nicht ausgenommen, nebensächlich anmutenden Detailfragen gewidmet war. Ich werde, teilweise unter Bezugnahme auf historische Analogien, aufzeigen, daß dieses Beharren auf Einzelheiten unter den heutigen Umständen durchaus gerechtfertigt und sogar nötig sein mag, wir dadurch aber nicht den Blick auf die großen geschichtlichen Zusammenhänge verlieren dürfen.

Gitta Sereny

Ein im New Statesman vom 2. November 1979 erschienener Artikel Gitta Serenys illustriert das eben Gesagte auf anschauliche Weise. Sereny führte ein einziges Argument gegen meine Thesen ins Feld. Während sie ihr Buch Into that Darkness schrieb,[2] hatte sie in einem deutschen Gefängnis Franz Stangl interviewt, den früheren Kommandanten von Treblinka (einem Durchgangslager, durch welches Warschauer Juden geschleust wurden). Sie schrieb:

»Ich unterhielt mich im Gefängnis wochenlang mit Stangl; ich sprach mit seinen ehemaligen Untergebenen und ihren Familien. Ich sprach mit Menschen, die Zeugen der Geschehnisse in Polen gewesen waren, auch wenn sie persönlich nichts damit zu tun hatten. Und ich sprach mit einigen der sehr wenigen Überlebenden. Butz behauptet in seinem Buch, daß diese Menschen — und es waren Hunderte –, die ihre Verstrickung in den Ausrottungsvorgang eingestanden, dies taten, um sich als Gegenleistung möglichst milde Strafen einzuhandeln. Aber jene, mit denen ich mich unterhielt, hatten ihre Prozesse bereits hinter sich. Viele hatten ihre Strafen schon verbüßt, und das Gespräch mit mir konnte keinem von ihnen etwas anderes einbringen als Schimpf und Schande. Stangl selbst wollte nichts weiter mehr als sprechen und dann sterben. Und Stangl ist tot. Aber wenn […] Butz […] tatsächlich an der Wahrheit interessiert wäre, stünden ihm Stangls Frau und viele andere zur Verfügung, um Zeugnis abzulegen.«

Obwohl dieser Punkt eher nebensächlich ist, will ich doch darauf verweisen, daß Sereny Stangls während der Gespräche geäußerte Hoffnungen falsch gedeutet hat. Wie sie in ihrem Buch selbst festhält, hatte er Berufung gegen seine Verurteilung zu lebenslanger Haft eingelegt; er wollte also offensichtlich aus dem Gefängnis herauskommen, ehe er starb.

Jemand, der sich auch nur flüchtig mit der Treblinka-Legende befaßt hat und beispielsweise weiß, daß man zur Vergasung in jenem Lager angeblich die Abgase erbeuteter russischer Panzer und Lastwagen einsetzte, muß sich im klaren darüber sein, daß die Bemerkungen Serenys über ihre Gespräche mit Stangl bar jeden historischen Wertes sind. Doch auch wer solch gesunden Skeptizismus an den Tag legt, wird wohl in den meisten Fällen eine trügerische Erklärung für G. Serenys Bericht über ihre Gespräche mit Stangl liefern. Beispielsweise wird er behaupten oder andeuten, daß Sereny schlicht und einfach lügt und daß Stangl die ihm in den Mund gelegten Äußerungen niemals von sich gegeben hat. Möglicherweise wird er auch den Verdacht äußern, Stangl sei bestochen oder gefoltert worden. Daß solche Erklärungsversuche in die Irre führen, läßt sich leicht erkennen, wenn man nicht so sehr den Inhalt der Aussagen Stangls betrachtet als den historischen Hintergrund, vor dem sie erfolgt sind. Stangl war bereits ein alter Mann. Fünfundzwanzig Jahre lang hatte er immer nur dieselben Schreckensgeschichten über Treblinka gehört. Natürlich hatte er zunächst im stillen darüber gelacht. Dann gewöhnte er sich nach und nach daran, in einer Welt zu leben, in der solche Geschichten niemals öffentlich in Frage gestellt wurden. Vielleicht mag er — wie es unter solchen Verhältnissen gelegentlich geschieht — mit der Zeit selbst begonnen haben, daran zu glauben; freilich kann es auch sein, daß er in seinem Innersten weiterhin davon überzeugt war, fast alles sei nur Lug und Trug. Wir werden es wohl kaum je erfahren, doch jedenfalls war sich der unglückliche Greis bewußt, daß er bei seinen Begegnungen mit der Journalistin Sereny wirklich keinen Nutzen davon haben konnte, die Treblinka-Legende in Abrede zu stellen. Ich bin mir fast sicher, daß Gitta Sereny Stangls Aussagen mehr oder weniger korrekt wiedergegeben hat. Selbstverständlich machte er für sich selbst allerlei mildernde Umstände geltend, doch was hätte es ihm geholfen, Sereny gegenüber die Vergasungen als Mythos abzutun?

Ich schrieb dem New Statesman also eine Entgegnung, die er nicht abdruckte, die aber im Journal of Historical Review publiziert wurde:[3]

»Der entscheidende Punkt ist, daß solche Aussagen vermutlich eher im Hinblick auf persönliche Interessen als auf die historische Wahrheit erfolgen Bei einem Prozeß geht es um einen ganz spezifischen Tatbestand, den das Gericht zu Beginn grundsätzlich als ungeklärt betrachten sollte. Doch die These von der Judenausrottung wurde in der Praxis bei keinem der einschlägigen Prozesse je als ungeklärt betrachtet, und bei manchen war es nach der Prozeßordnung ausdrücklich untersagt, sie anzuzweifeln. Es ging stets nur um die persönliche Verantwortung der Angeklagten, niemals um die Tat als solche. Unter diesen Umständen waren die Geständnisse von Deutschen, die allerdings regelmäßig ihre persönliche Schuld bestritten oder mildernde Umstände beanspruchten, die einzige unter diesen Umständen mögliche Verteidigung.

Diese Taktik ist nicht ganz dasselbe wie ein Kuhhandel zwischen Anklage und Verteidigung, doch handelt es sich um einen damit verwandten Vorgang. Es ging ganz einfach darum, dem Gericht eine Geschichte zu erzählen, die es akzeptieren konnte. Dieses logische Dilemma ist unumgänglich, sobald der Angeklagte beschlossen hat, den Prozeß ernstzunehmen. Will er dem Gefängnis entgehen, so darf er die Legende nicht bestreiten.

Sehr zu Unrecht macht die Sereny geltend, bei einer Verurteilung zu lebenslanger Haft bestehe dieses Dilemma nicht mehr. Strebt der Verurteilte nämlich eine Begnadigung oder eine Milderung des Strafmaßes an, darf er das vom Gericht als wahr Festgelegte nicht in Abrede stellen, denn damit kommt er seinem Ziel nicht näher. Beispielsweise waren dem Angeklagten Robert Mulka beim Frankfurter Auschwitz-Prozeß von 1963 bis 1965 dermaßen grauenhafte Untaten zur Last gelegt worden, daß viele seine Strafe von 14 Jahren Zuchthaus als unangebracht milde rügten. Dann geschah etwas, das jeden Uneingeweihten heftig überraschten mußte: Mulka wurde ganze vier Monate später ohne viel Aufhebens auf freien Fuß gesetzt. Hätte er bei seinem Prozeß oder danach erklärt, er wisse ganz genau, daß es in Auschwitz keine Ausrottungsaktionen gab — was der Wahrheit entsprochen hätte –, so wäre er im ersten Fall zu lebenslanger Haft verurteilt worden und hätte im zweiten Fall seine 14 Jahre bis zum letzten Tag absitzen müssen, falls er überhaupt so lange gelebt hätte.

Auch wenn man dies allgemein nicht weiß, gab es viele solcher Fälle; die Untersuchung des Themas ist mit großen Schwierigkeiten verbunden.[4] In keinem einzigen Fall hätte es dem Betroffenen persönlichen Nutzen gebracht, die Ausrottungsaktionen zu bestreiten. Dies war nicht der Weg, um aus dem Gefängnis herauszukommen.«

Immer noch unübertroffen.
Eine überarbeitete Neuauflage
wird z.Zt. geplant von VHO,
Postbus 60, B-2600 Berchem 2,
Belgien

Wenn man sich bei einer Debatte rein defensiv verhält und damit begnügt, die Argumente der Gegenseite zu kontern, dann halte ich dies weiterhin für die richtige Antwort auf die Auslassungen der Sereny. Als ich diese Zeilen niederschrieb, hielt ich sie zunächst für ausreichend, doch dann ging mir jäh ein Licht auf, und ich begriff die Absurdität der ganzen Sache angesichts des zeitgeschichtlichen Hintergrunds, auf dem sich die Diskussion abspielte. Man schrieb das Jahr 1979, nicht das Jahr 1942, und die Sereny wollte die Leser des New Statesman von der Wahrheit der Ausrottungsgeschichten überzeugen, indem sie sich auf die Erklärungen eines einsamen alten Mannes berief! Ich erweiterte meinen Brief also um den folgenden Abschnitt:

Wir brauchen keine Geständnisse, um herauszufinden, daß Dresden und Hiroshima tatsächlich bombardiert worden sind oder daß als Vergeltung für den Mord an Heydrich in Lidice Geiseln erschossen wurden. Bei der behaupteten Judenvernichtung geht es nicht um einige einzelne Morde, sondern um Ereignisse von kontinentalem Ausmaß und von dreijähriger Dauer, die Millionen von Opfern gefordert haben sollen. Wie lächerlich ist doch da die Haltung der Verfechter der Legende, die letzten Endes ihre Behauptungen stets mit Geständnissen zu untermauern versuchen, welche in einer nun seit 35 Jahren andauernden Atmosphäre der Hysterie, der Zensur, der Einschüchterung, der Verfolgung und des glatten Rechtsbruchs abgelegt worden sind.

Mit anderen Worten: Gitta Sereny versuchte in ihrem 1979 abgefaßten Artikel die Realität der behaupteten Ungeheuerlichkeiten mit dem zu beweisen, was ihr ein seelisch gebrochener alter Mann im Gefängnis erzählt hatte! Ebensogut könnte man behaupten, New York sei 1950 von Zigeunern niedergebrannt worden, und als Beweis die Geständnisse von Zigeunern anführen, die damals dort lebten!

Natürlich würde Sereny erwidern, ich greife lediglich eines ihrer Argumente heraus und tue so, als sei dies ihr einziges. Ich will ja gar nicht bestreiten, daß sie noch wesentlich mehr zu sagen hat, doch grundsätzlich hat mein Einwand Bestand. Ein namhaftes Blatt hat Gitta Sereny viel Platz eingeräumt, um Argumente darzulegen, die als Beweis für das Behauptete nie und nimmer ausreichen. Wären die europäischen Juden tatsächlich ausgerottet worden, so müßte man nicht zu dergleichen Zuflucht nehmen.

Als ich Robert Faurisson 1980 traf, beglückwünschte er mich zu meinem Hinweis darauf, daß wir keine Prozesse benötigen, um an tatsächliche geschichtliche Ereignisse (Hiroshima, Lidice etc.) zu glauben, und bedauerte, daß er nicht selbst auf diesen Gedanken verfallen war. Dies konnte ich sehr gut verstehen, denn ungefähr zu dem Zeitpunkt, als die Sereny ihren Artikel schrieb, rief mich ein Unbekannter an und konfrontierte mich mit einer Frage, die ich mir zu meinem Bedauern zuvor niemals gestellt hatte: Warum unternahmen die außerhalb des Einflußbereichs der Achsenmächte tätigen Judenorganisationen, die unentwegt über Ausrottung und Massenmord wehklagten, nichts, um die unter Hitlers Herrschaft lebenden Juden vor dem ihnen drohenden deutschen Umsiedlungsprogramm zu warnen? Man erzählt uns doch immer wieder, die Juden hätten ihre Sachen gepackt, sich willig deportieren lassen und die Lager betreten, ohne zu ahnen, daß ihnen dort der Tod bevorstand. Dieser Aspekt der Legende ist natürlich notwendig, weil man sonst nicht erklären kann, daß es nur sehr selten entschlossenen Widerstand gegen die Deportationen gab (auf S. 141f. meines Buchs streife ich diesen Punkt zwar, jedoch ohne seine ganze Tragweite hervorzuheben[5]).

Die allgemeinen Lehren, die wir aus diesen beiden Episoden zu ziehen haben, bilden das Thema meines Vortrags. Wir erkennen, daß das Problem in beiden Fällen eine zeitweilige Kurzsichtigkeit war, unter der nicht nur die Gralshüter der Legende, sondern — und dies kann nicht genug hervorgehoben werden — auch die Revisionisten litten. Diese waren so sehr mit der Untersuchung der Bäume beschäftigt, daß sie einen Anstoß von außen brauchten, um zu bemerken, in was für einem Walde sie eigentlich wandelten. Dies läßt sich nicht mit individueller Schwäche erklären. Es ist die Folge der geschichtlichen Umstände, in denen wir heute leben. Ich werde versuchen, diese Umstände näher zu charakterisieren und dann aufzuzeigen, wie wir mit ihnen umgehen sollten. Dabei unternehme ich einerseits den Versuch, darzustellen, wie die Nachwelt diese Fragen vermutlich beurteilen wird, andererseits unterbreite ich einige Vorschläge für eine praktische Argumentation in dieser Kontroverse.

Die Konstantinische Schenkung

Die »Konstantinische Schenkung« ist die berühmteste Fälschung der europäischen Geschichte. Sie tauchte zuerst um das Jahr 800 auf. Angeblich wurde dieses Dokument von Kaiser Konstantin I (288?-337) eigenhändig niedergeschrieben. Es enthält die zählebige, aber jeden reellen Hintergrunds entbehrende Legende von der Bekehrung Konstantins sowie seiner Taufe durch Papst Sylvester I. Der wichtigste Punkt ist die Abtretung der weltlichen Macht über »die Stadt Rom sowie alle Provinzen, Ortschaften und Staaten Italiens sowie der westlichen Regionen« an den Papst. Die Urkunde legt ferner fest, daß der Papst »auch die Herrschaft über die vier großen heiligen Stätten Alexandria, Antiochien, Jerusalem und Konstantinopel« erhält, und räumt ihm verschiedene zusätzliche Privilegien ein. Um jeden Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Schenkung zu zerstreuen, wird ferner ausgeführt, Konstantin erkläre seine Absicht, seine eigene Hauptstadt »in die Provinz Byzanz« zu verlagern, »wo eine Stadt entstehen soll, die Unseren Namen trägt […], denn wo nach dem Willen des Himmlischen Kaisers die Priester herrschen sollen und das Oberhaupt der Christlichen Religion walten soll, da darf kein irdischer Kaiser regieren.«

Höchst aufschlußreich ist, daß die Echtheit dieses Dokuments vor dem 15. Jahrhundert nur sehr selten in Frage gestellt wurde. Dabei hätten doch zwei Punkte von vorne herein Zweifel daran aufkeimen lassen müssen: Erstens existierte gemäß den im Mittelalter weitverbreiteten Legenden und Geschichten sowie laut der Urkunde selbst die Stadt, welche Konstantin auf dem Gelände des alten Byzanz gründete und die später nach ihm den Namen Konstantinopel erhielt, zu jenem Zeitpunkt überhaupt noch nicht, schon gar nicht als einer der heiligsten Orte der Christenheit. Zweitens — und hier ist die Parallele zur Holocaust-Geschichte offenkundig — dauerte die kaiserliche Herrschaft in Italien allen während des ganzen Mittelalters verfügbaren Quellen und Berichten zufolge zur Zeit Konstantins und Sylvesters sowie ihrer unmittelbaren Nachfolger an.

Daß man die Schenkung so lange nicht als Fälschung erkannte, ging gewiß nicht auf mangelndes Interesse oder ihre geringe Bedeutung zurück. Ein zentrales politisches Thema des Mittelalters war die Kontroverse über das Machtverhältnis zwischen dem Papst und dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches; an dieser Debatte nahmen große Geister teil, und die Schenkung war eines der Schlüsselargumente der Papstanhänger. Sogar Dante (1265-1321), ein ausgesprochener Gegner der weltlichen Macht des Heiligen Stuhles, erwähnte und beklagte die Schenkung in seinem Inferno (19. Gesang, Verse 115-117):

Ahi, Constantin, di quanto mal fu matre
non la tua conversion, ma quella dote
che da te prese il primo ricco patre!
Ach Konstantin, welches große Übel hatte zur Mutter
Nicht deine Bekehrung, sondern jene Schenkung
Die der erste reiche Vater von dir erhielt!

So wurde diese Fälschung bei den Kontroversen über die Macht des Kaisers und des Papstes jahrhundertelang kaum je in Frage gestellt, obgleich sie so plump und anachronistisch war, wie es ein Brief mit der angeblichen Unterschrift George Washingtons gewesen wäre, in dem dieser der Methodistenkirche »die Vollmacht zur Herrschaft über Washington, D.C., sowie die ihm unterstellten Gebiete Nordamerikas« erteilt hätte!

Die ersten an der Echtheit der Urkunde geäußerten Zweifel waren bezeichnenderweise eher einfältig, trafen nicht den Kern der Sache, waren tendenziös oder abschweifend. Oft wurde, wie von Dante, nicht die historische Realität der Schenkung, sondern nur deren Wünschbarkeit in Frage gestellt. In der Mitte des 12. Jahrhunderts ritt die Reformbewegung Arnold von Brescias eine Attacke gegen die ganze Legende von Sylvester und der Schenkung, und zwar mit dem Argument, Konstantin sei bereits Christ gewesen, als er Sylvester begegnete. Unter den papstfeindlichen Gibellinen Deutschlands entstand um 1200 die Legende, die Engel hätten, als Konstantin die Schenkung machte, laut geklagt: »Ach, ach, an diesem Tage ward Gift in Gottes Kirche geträufelt.« Die Anhänger des Papstes hielten dem entgegen, gewiß habe man ein Weinen gehört, doch habe es vom Teufel hergerührt, der sich verkleidet habe, um die Menschen zu täuschen. Andere warfen ein, die Schenkung sei nicht gültig, weil Konstantin der Arianischen Ketzerei zugeneigt habe, oder weil sie ohne Zustimmung des Volkes erfolgt sei, oder weil Konstantin nur für sich selbst und nicht für seine Nachfolger auf die Macht verzichtet habe. Wiederum andere drehten den Spieß um und benutzten die Schenkung, um den Papst anzugreifen: sie beweise, daß dessen Vorherrschaft nicht auf Gott, sondern auf den Kaiser zurückgehe. Dieses letztgenannte Argument wurde bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts von den antipapistischen Kräften immer wieder ins Feld geführt. Um 1200 hatten zwei Schriftsteller darauf hingewiesen, daß die kaiserliche Macht in Italien auch nach der angeblichen Schenkung ununterbrochen bestanden hatte, aber ihre Auslassungen umgingen den Kern der Frage, und sie legten keine eindeutigen Schlußfolgerungen dar. So hatten diese Schriften keinen Einfluß auf den künftigen Gang der Kontroverse.

Es dauerte bis zum Jahre 1433, ehe eine solid fundierte Kritik der Schenkung erschien, und zwar nicht von einem Papstgegner, sondern von jemandem, den man als liberalen Reformer innerhalb der Kirche bezeichnen könnte. Johannes von Kues, auch Cusanus genannt, Dekan von St. Florinus in Koblenz, unterbreitete zu Händen des Konzils von Basels eine Kritik der Schenkung, in der er die überwältigenden historischen Beweise gegen jegliche Machtübertragung vom Kaiser auf den Papst während der Zeit Konstantins und Sylvesters oder unmittelbar danach darlegte.

Cusanus’ Schrift De concordantia catholica erwies sich nicht als besonders folgenreich, teils wegen ihres trockenen und leidenschaftslosen Tons, teils weil sie von Lorenzo Vallas 1440 erschienenen Abhandlung De falso credita et ementita Constantini donatione in den Schatten gestellt wurde. Valla werden die größten Verdienste um die Entlarvung des Schwindels zugeschrieben: Zunächst konnte er sich neben seinen eigenen bemerkenswerten Talenten auch auf die Studie Cusanus’ stützen; ferner bestach seine Abhandlung durch ihre stilistischen Qualitäten und ihre Leidenschaftlichkeit, und schließlich erlebte die Druckkunst bald darauf einen ungeheuren Aufschwung, und die Anhänger der Reformation ließen die Schrift in verschiedenen Übersetzungen in hoher Auflage verbreiten.

Vallas Methode bestand darin, die Schenkung von jeder möglichen Perspektive aus zu hinterfragen. Zuerst betrachtete er die Angelegenheit vom Standpunkt Konstantins, »eines Mannes, der aus Herrschsucht Krieg gegen die Nationen geführt und Freunde sowie Verwandte in einem Bruderzwist befehdet hatte, um sie ihrer Macht zu berauben« und dann angeblich »aus reiner Großzügigkeit einem anderen die Stadt Rom, seinen Heimatort, das Haupt der Welt, die Königin der Staaten, abtrat […] und sich von dort in ein bescheidenes Städtchen, Byzanz, zurückzog«. Schon nach wenigen Seiten kommt dem Leser die Geschichte von der Schenkung ganz unglaubhaft vor, doch die Abhandlung umfaßt in ihrer englischen Übersetzung um die 80 Seiten, so daß wir es mit einem klassischen Fall von overkill zu tun haben. Valla stützte Cusanus’ Argument, daß die Machtübergabe überhaupt nicht stattgefunden habe, mit dem Hinweis auf die römischen Münzen jener Zeit, die im Namen von Kaisern und nicht von Päpsten herausgegeben worden waren. Er analysierte ferner die Sprache und den Wortschatz der Schenkungsurkunde und bewies, daß sie nicht dem Latein der Konstantinischen Epoche entsprach. Solche Methoden waren damals revolutionär.

Valla war kein selbstloser Gelehrter. Als er die Abhandlung verfaßte, stand er als Sekretär in den Diensten Alfonsos von Aragon, der sich mit dem Papst um die Herrschaft über Neapel stritt. Er machte kein Hehl aus seiner Auffassung, daß die weltliche Macht des Papstes von Übel sei und abgeschafft gehöre. Dennoch stellt Vallas Abhandlung einen Meilenstein in der Entstehung der historischen Kritik dar, und ich meine, daß die Auseinandersetzung mit ihr für jene, die sich heute die Entlarvung des Völkermord-Mythos zum Ziel gesetzt haben, von höchstem Nutzen ist.

Wohl endete noch 1458 in Straßburg ein Mann auf dem Scheiterhaufen, weil er die Echtheit der Schenkung bestritten hatte, doch fand Vallas These bei den Gebildeten von Anfang an viel Beifall, obgleich sie lange Zeit nicht gedruckt wurde. Als man das Jahr 1500 schrieb, machte es den Anschein, als sei die Legende erledigt; daß die Kontroverse über die Natur des Papsttums damals schon stark abgeflaut war, mag dazu beigetragen haben. Wenn die bald darauf aufkommende Reformation Vallas Abhandlung weidlich gegen das Papsttum ausschlachtete, so hatte dies ironischerweise den Effekt, daß sich wieder Verteidiger der Legende zu Wort meldeten. Auf der reformierten Seite erklärte Martin Luther 1547, Vallas Schrift habe ihn davon überzeugt, daß der Papst die Verkörperung des Antichrist sei. Auf der katholischen Seite attackierte Steuchus, Bibliothekar des Vatikan, Vallas Abhandlung mit recht guten Argumenten, und bald darauf kam jene auf den Index. Um 1600 war die Legende dann endgültig erledigt, als der große katholische Historiker Baronius erklärte, die Unechtheit der Schenkung sei nachgewiesen.

Diese kurze Übersicht wirft zumindest zwei grundlegende Fragen auf. Zunächst einmal haben wir festgehalten, daß der betrügerische Charakter der Schenkung ganz offenkundig erscheint, weil ja die Macht gar nie vom Kaiser auf den Papst übergegangen ist — warum hat es dann so lange gedauert, bis der Schwindel aufflog?

Meiner Ansicht nach wäre es vor der Renaissance aus politischen Gründen nicht möglich gewesen, die sich gebieterisch aufdrängenden Schlußfolgerungen hinsichtlich der Schenkung öffentlich zu ziehen. Gewichtige politische und wirtschaftliche Interessen lassen sich nur schwer mit logischen Argumenten schachmatt setzen, mögen letztere auch noch so wohlfundiert und überzeugend sein. Die beiden naheliegendsten Antworten auf die Frage lauten so: Erstens gewann durch die Renaissance die Wissenschaft in Europa an Qualität, und zweitens leitete die Renaissance Wasser auf die Mühlen der Papstgegner. Ich glaube, daß diese Antworten richtig sind, nur darf man nicht unterstellen, die Menschen des Mittelalters hätten grundsätzlich nicht genügend Scharfsinn besessen, um den Betrug zu durchschauen. Die politischen Entwicklungen der Zeit, die auf das Mittelalter folgte, waren entscheidend, denn nun konnte man das Offenkundige ohne Gefahr beim Namen nennen und sogar noch davon profitieren.

Wir können diese hauptsächlich politische Erklärung vertiefen, müssen uns aber davor hüten, wieder in den alten Fehler zu verfallen und vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr zu sehen. Was man von der Schenkung wußte, war, daß der Papst aus ihr den Anspruch auf weltliche Macht ableitete und daß antipapistische Kreise das Dokument mit allen möglichen Argumenten anfochten. Zwar war die römische Geschichte im Prinzip sehr gut erforscht, doch fehlte der Öffentlichkeit weitgehend der Zugang zum vorhandenen Wissen. Für diese auf den ersten Blick erstaunlich anmutende Lücke gibt es einfache Erklärungen. Zunächst vertraten die Päpste die herkömmliche Position und entschieden selbst darüber, welche Fragen erörtert werden durften und welche nicht; man konnte von ihnen schwerlich erwarten, daß sie eine Untersuchung der Urkunde vom historischen Standpunkt aus ermutigten. Andererseits mußten jene, welche die Echtheit der Schenkung bestritten, aufgrund ihrer politischen Außenseiterposition bekannte Themen aufgreifen, wollten sie überhaupt gehört werden. Darüber hinaus vertraten sie meist politische oder religiöse Interessen und waren keine geschulten Historiker, so daß ihr geschichtliches Wissen oft herzlich bescheiden war. Die eigentlichen Gelehrten aber waren üblicherweise auf kirchliche Würdenträger angewiesen, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Somit herrschten günstige Voraussetzungen für die Herrschaft der politisch korrekten Dummheit.

Die zweite fundamentale Frage, die wir aufwerfen wollen, lautet wie folgt: Wenn ein furchtloser und forschender Intellekt den betrügerischen Charakter der Schenkung so leicht erkennen konnte, und wenn die politischen Entwicklungen die Diskussion immer ungefährlicher machten, weshalb bedurfte es dann einer so langen Abhandlung wie derjenigen Vallas, um dem Mythos den Gnadenstoß zu versetzen?

Zur Beantwortung dieser Frage müssen wir Ursache und Wirkung berücksichtigen, denn diese lassen sich beim Vorliegen eines komplexen Sachverhalts nicht voneinander trennen. Rekapitulieren wir die Faktoren kurz:

  1. das Ende der päpstlichen Macht in den Gebieten, die sich der Reformation zuwandten;
  2. die Entlarvung einer der Betrügereien, auf die sich die päpstliche Macht gestützt hatte;
  3. die weite Verbreitung eines Buches, welches diese Betrügerei bloßstellte.

Die Rolle, welche Vallas Abhandlung bei diesen Entwicklungen spielte, gestattet uns, aufgrund des Inhalts dieser Schrift eine wohlbegründete Hypothese aufzustellen. Vallas Abhandlung war weit ausführlicher, als zum Beweis für seine These erforderlich gewesen wäre. Sie enthielt intellektuellen Stoff von solcher Qualität, daß ihr Durchbruch nicht aufzuhalten war. Liebhaber alter Münzen kamen auf ihre Rechnung, Spezialisten der lateinischen Sprache und Grammatik fühlten sich ermuntert, an der Debatte teilzunehmen, Experten auf dem Feld der römischen Geschichte betrachteten sich als angesprochen, Kirchenhistoriker wollten ihren Beitrag zur Diskussion leisten. Kurzum, redegewandte Zungen wurden gelöst, und dies vor dem Hintergrund gewaltiger politischer Umwälzungen.

In einem 1979 gehaltenen Vortrag hob ich hervor, daß eine außerhalb universitärer Kreise geführte Kontroverse ein nicht zu unterschätzendes Mittel darstellt, um die akademischen Fachleute zu einer Stellungnahme zu heiklen Themen zu provozieren. Aufgrund meiner direkten Erfahrung als Universitätslehrer kann ich bezeugen, daß die typische Reaktion auf das Aufgreifen solch heißer Fragen seitens eines grundsätzlich anständigen, aber von menschlichen Schwächen nicht freien Gelehrten darin besteht, sich mit allerlei Ausflüchten vor der Diskussion zu drücken. Gewiß gibt es eine kleine Minderheit, die bewußt lügt und fälscht — es sind dies die Handlanger jener, die von der vorherrschenden These profitieren. Gerät diese These seitens einer anderen kleinen Minderheit unter Beschuß, so hat dies den zeitweiligen Effekt, daß ein wachsender Teil jener, die zuvor geschwiegen haben, ins Lager der bewußten Lügnern wechselt und in die Haßgesänge gegen die Häretiker einstimmt. Doch der anständige Durchschnittsakademiker, der seine Selbstachtung wahren und zugleich seine Rechnungen weiterhin bezahlen können möchte, vermeidet das dornige Thema.

Diese Haltung wird schwierig oder gar unmöglich, wenn immer mehr Vertreter des nicht akademisch gebildeten Volkes bohrende Fragen stellen. Wird die öffentliche Meinung eines Tages unüberhörbar, verwandelt sie sich in einen Faktor, der die Ketzerei verhältnismäßig ungefährlich macht. Die Popularisierung delikater Themen ist also durchaus ein Mittel, um jene, die sich eigentlich von Amtes wegen mit diesen befassen müßten, aus der Reserve zu locken oder gar zum Handeln anzuspornen.

Ich fasse die wichtigsten Punkte nochmals zusammen: Einfache und schlagkräftige Argumente gegen die Echtheit der Konstantinischen Schenkung, die von unserem Standpunkt aus schon im Mittelalter jedem hätten ins Auge springen müssen, wurden durch die damals herrschenden politischen Realitäten bereits im Keime erstickt. Vallas Abhandlung, die weit mehr ins Detail geht, als es uns notwendig scheinen mag, spielte eine entscheidende Rolle bei der Demontage der Legende, aber dieser Vorgang war unlösbar mit politischen Entwicklungen verbunden, die sich zugunsten der These Vallas und ihrer freien Erörterung auswirkten.

Die Analogien

Die Analogien zu unserer eigenen Holocaust-Legende sind fast zu naheliegend, als daß man sie noch umständlich hervorheben müßte. Die Akademiker des Mittelalters sowie der Renaissance, die das Offensichtliche einfach nicht sahen, gemahnen peinlich an die Akademiker unserer Zeit. Einige Punkte bedürfen jedoch der Vertiefung.

Wir haben gesehen, daß die Legende von der Schenkung zu einer Zeit demontiert wurde, die für das Papsttum höchst ungünstig war, und dies legt eine weitere, offenkundige Analogie nahe, nämlich jene, daß die Holocaust-Legende in einer Zeit entlarvt werden wird, die für den Zionismus ungünstig ist. Dieses Zusammentreffen zweier Entwicklungen ist logisch und unvermeidlich, doch sollte man auch auf seine riskanten Seiten hinweisen. Für die Revisionisten wird es gefährliche Versuchungen politischer und intellektueller Art mit sich bringen.

Während ich diese Zeilen niederschrieb, hat der israelische Einfall im Libanon Menachem Begin zum unpopulärsten Mann und Israel zum unpopulärsten Staat der Welt gemacht. Man darf mit Fug und Recht sagen, daß diese Invasion viel Leid über unschuldige libanesische Zivilisten gebracht hat, von denen erschreckend viele umkamen oder als Folge des israelischen Versuchs zur Zerstörung der PLO aufs schwerste getroffen wurden. Ebenso darf man zu Recht festhalten, daß die Amerikaner sich bisher dazu betören ließen, Israel so gut wie alles zu geben, was es von ihnen verlangte. Doch habe ich auch in prorevisionistischen Publikationen gelesen, die israelische Politik komme einem Völkermord gleich,[6] was keinesfalls zutrifft; ein solcher ist weder beabsichtigt, noch wird er in der Praxis begangen, zumindest nicht nach meiner Definition des Begriffs, den ich mit Ausrottung in Verbindung bringe. Während eine solch liederliche Wortwahl bei der Boulevardpresse nicht überraschen mag, ist es höchst ärgerlich, wenn sich auch Revisionisten ihrer bedienen, denn solche sollten am allerbesten zwischen verschiedenen Stufen der Unmenschlichkeit zu unterscheiden wissen, die man um der geschichtlichen Wahrheit willen streng auseinanderhalten muß.

Die Erkenntnis drohender Gefahren geht mit der Einsicht Hand in Hand, daß eine solch falsche Wortwahl sowohl politisch motiviert sein als auch einfach auf menschliche Ungenauigkeit zurückgehen mag. In den kommenden Jahren wird der Druck auf viele — einschließlich der Revisionisten — wachsen, für die Araber und nicht nur gerecht gegenüber den Arabern zu sein. Dieser Druck wird darum entstehen, weil gerade im Nahen Osten Entwicklungen eintreten werden, die es den Revisionisten ermöglichen, sich Gehör zu verschaffen. Somit werden die Revisionisten einen Akrobatenakt vollbringen müssen: Einerseits müssen sie gefährlichen Versuchungen widerstehen, andererseits die sich ihnen aufgrund der politischen Entwicklungen bietenden Chancen zur Darlegung ihres Standpunkts beim Schopfe ergreifen. Wir mögen die Entlarvung des Holocaust-Schwindels ja vielleicht gerne als rein intellektuelle Übung betrachten, doch dem ist nicht so.

Da sich die Geschichte niemals wiederholt, ist die Analogie zwischen der Konstantinischen Schenkung und dem Holocaust nicht in allen Punkten gegeben. Es liegt aber eine weitere ins Auge springende Gemeinsamkeit vor, nämlich die exzessive Hinwendung zum Detail sowohl seitens Vallas als auch seitens der Revisionisten. In beiden Fällen kann man von einem Overkill sprechen. Die Menschen der Renaissance merkten einfach nicht, daß die angebliche Machtübergabe vom Kaiser an den Papst gar nie erfolgt war, und wir merken nicht, daß die Juden nach dem Zweiten Weltkrieg immer noch da waren und der Holocaust allein schon deshalb nicht stattgefunden haben kann. Offenbar müssen wir alle möglichen Einzelheiten untersuchen, die der Nachwelt wohl phantastisch vorkommen mögen. Beispielsweise begnügen wir uns nicht mit der Feststellung, daß das angeblich in Auschwitz zur Judenvernichtung verwendete Zyklon-B ein Schädlingsbekämpfungsmittel war, nein: wir müssen auch noch die chemischen Aspekte der Frage erschöpfend analysieren!

Diese Erforschung der Einzelheiten ist sowohl wünschenswert als auch notwendig. Daß sie wünschenswert ist, haben wir bereits im Zusammenhang mit der Konstantinischen Schenkung festgehalten. Die Auseinandersetzung mit den Einzelheiten, die eine Vielzahl verschieden gelagerter schlagkräftiger Argumente hervorbrachte, hat, auch wenn die Nachwelt von einer Froschperspektive sprechen mag, dazu geführt, daß sich alle möglichen Stimmen zu Wort meldeten und einen Druck erzeugten, den die Gralshüter der Legende einfach nicht mehr ignorieren konnten. Daß der kritische Punkt bereits erreicht ist, wird von Raul Hilberg, dem Verfasser des Holocaust-Klassikers Die Vernichtung der europäischen Juden, unverblümt eingestanden. In einem Interview, das er unlängst einer französischen Wochenzeitschrift gewährte, sagte er:[7]

»Ich möchte darauf hinweisen, daß Faurisson und andere uns in gewisser Hinsicht ungewollt einen Dienst erwiesen haben. Sie haben Fragen aufgeworfen, welche die Historiker dazu veranlaßten, ihre Forschungen auszudehnen. Sie haben die Suche nach neuen Quellen, die Neueinschätzung von Dokumenten und das Streben nach einem tieferen Verständnis des Vorgefallenen erzwungen.«

Daß unsere Detailbesessenheit auch unter den gegenwärtigen Umständen ihre Berechtigung hat, läßt sich aus der Propagandastrategie der Förderer und Verteidiger der Legende ersehen. Ein Aspekt dieser Strategie besteht darin, von der wirklichen und einfachen Frage abzulenken, ob die Juden Europas von den Deutschen tatsächlich physisch ausgerottet worden sind, und sich stattdessen auf die oberflächlich gesehen ähnliche und — wenn genügend Konfusion geschaffen ist — scheinbar sogar identische Frage zu konzentrieren, ob die Deutschen Gaskammern betrieben haben oder nicht.

Dies ist ein beliebter Trick der Holocaust-Schwindler (auf andere Gaukeleien komme ich noch zu sprechen), und allzuviele Revisionisten fallen darauf herein. Um jegliches Mißverständnis von vornherein auszuräumen, möchte ich klarstellen, daß ich beide Fragen klar mit nein beantworte: Es gab keinen Ausrottungsplan, und es gab keine Gaskammern. Doch der eigentliche Streitpunkt ist die erste Frage, und die zweite ist für die Schule der Holocaust-Revisionisten, so wie ich sie verstehe, lediglich als Ergänzung zur ersten von Bedeutung. Käme zum Beispiel ans Licht, daß an einem bestimmten Tage im Jahre 1942 zehn Juden in Hitlers Hauptquartier in Ostpreußen gebracht, in dessen — technisch hastig ihrem neuen Zweck angepaßte — Dusche gesperrt und unter dem beifälligen Blick des Führers vergast wurden, so wäre ich aus historischen und technischen Gründen fürwahr baß erstaunt, doch müßte ich meinen Standpunkt zur Frage der Ausrottung nicht grundsätzlich überprüfen. Nur jene Revisionisten, die wie David Irving die Gestalt Adolf Hitlers in den Mittelpunkt ihrer Forschungen rücken, würden dadurch erschüttert.

Durch verschiedene Tricks — z.B. indem sie die Diskussion auf gewisse Zeugenaussagen lenken oder in einem falschen Zusammenhang über Zyklon sprechen — gelingt es den Wanderpredigern der Legende allzu oft, in den Augen der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, daß die Gaskammerfrage und nicht die Frage nach der Judenausrottung im Zentrum der Debatte steht. Dies tun sie nicht etwa, weil sie die beiden Fragen durcheinanderbrächten, sondern weil sie so manche routinemäßige Vorbehalte vorbringen können, die man bei fast jeder historischen Frage ins Feld führen kann.

Hätte man mich beispielsweise noch vor kurzem gefragt, ob die Japaner während des Zweiten Weltkriegs Gefangene vergast haben, so hätte ich entgegnet, von solchen Vergasungen nie etwas vernommen zu haben. Nun habe ich aber kürzlich einen durchaus glaubhaft anmutenden Bericht gelesen, dem zufolge die Japaner bei »Forschungen über biologische Kriegsführung« 404 Versuchspersonen mit Gas ermordet haben.[8] Dennoch halte ich daran fest, daß die Japaner keine Bevölkerungsgruppen ausgerottet haben.

Ein anderes Beispiel. Ich bin sicher, daß die Alliierten währen des Zweiten Weltkriegs keinen nennenswerten Teil des Eskimovolkes ausgerottet haben, und ich bin auch der Ansicht, daß keine kleineren Gemeinschaften von Eskimos von ihnen vergast wurden, doch beachten Sie bitte, daß ich im ersten Fall sicher und im zweiten Fall lediglich der Ansicht bin! Der Unterschied läßt sich wie folgt erklären: Man kann nachweisen, daß es kein Programm zur Eskimoausrottung gab (u.a. weil die Eskimos im Krieg keine merklichen Menschenverluste erlitten haben), doch kann man nicht nachweisen, daß keine Eskimos vergast wurden. Natürlich kann man aufzeigen, daß es keinen vernünftigen Grund für eine solche Tat gab, daß die Eskimos später niemals Vergasungsvorwürfe erhoben haben usw., so daß man mit Fug und Recht der Ansicht sein darf, daß keine Eskimos vergast worden sind (freilich wäre es denkbar, daß der eine oder andere Eskimo wegen eines individuellen Verbrechens in Kalifornien zum Tod in der Gaskammer verurteilt wurde). Nicht gänzlich ausschließen läßt sich aber die Möglichkeit, daß irgendeine isolierte Gemeinschaft von Eskimos unter größter Geheimhaltung vergast wurde, beispielsweise aus Sicherheitsgründen, weil sie eine streng geheime militärische Operation der Alliierten hätten gefährden können. Dies ist nichts anderes als ein routinemäßiger historischer Vorbehalt, wie man ihn für jede Epoche der Geschichte äußern kann und dessen potentielle Relevanz für so selbstverständlich gehalten wird, daß man ihn kaum je auch nur erwähnt.

Wir können beweisen, daß die Eskimos nicht ausgerottet worden sind, aber wir können nicht beweisen, daß keine kleineren Eskimogemeinschaften vergast wurden. Dementsprechend kann ich — auf die Gefahr hin, daß unsere Widersacher meine Worte aus dem Zusammenhang herausreißen und mißbräuchlich zitieren — zwar nachweisen, daß es kein deutsches Programm zur Judenausrottung gab, nicht aber, daß keine Juden vergast wurden, selbst wenn ich angesichts meiner reiflichen Prüfung des Beweismaterials ehrlich davon überzeugt bin, daß letzteres niemals geschah.

Prüft man die Argumente, welche man uns zum Beweis für die Vergasung von Juden feilbietet, auf Herz und Nieren, so stellt man rasch fest, daß an die Stelle der geographischen Isolierung in meinem Eskimo-Beispiel hier die administrative Isolierung tritt:

  • es wurden keine Konstruktionspläne der Gaskammern angefertigt;
  • es wurden keine Dokumente über die Vergasungen ausgestellt;
  • zwecks Vertuschung des Verbrechens wurden die Leichen rückstandslos verbrannt;
  • um die Zahl der Zeugen auf ein Minimum zu beschränken, wurden beim Tötungsvorgang jüdische Arbeiter eingesetzt, und diese wurden später selbst getötet.

Warum die Deutschen einen solchen Mantel der Verschwiegenheit über die Judenvernichtung breiteten, wenn doch im Madison Square Garden zu New York machtvolle Kundgebungen gegen die angebliche Schlächterei stattfanden und die alliierten Regierungen einschließlich der betreffenden Staatsoberhäupter diese brandmarkten, wird niemals erklärt,[9] denn nur wenige Menschen stellen solche Fragen. Wichtig ist, daß der ganze Vorgang mittels Erklärungen sowie einiger vor Gericht abgegebener Zeugenaussagen bewiesen und dann als absurde Grundlage für eine ganz andere und unvergleichlich schwerere Anklage verwendet werden kann, nämlich die physische Ausrottung der Juden Europas.

Das Ganze ist ein schäbiger Taschenspielerkniff, der nur dann funktionieren kann, wenn man den ganzen historischen Zusammenhang außer acht läßt und die Ereignisse von einer falschen Perspektive aus betrachtet. Leider war dieser Kniff erfolgreich, und darum ist es durchaus notwendig und nicht bloß wünschenswert, daß die Revisionisten auf die Einzelheiten eingehen. Die Bannerträger der Legende scheuen eine direkte Konfrontation mit den für die Ausrottung dargebotenen Beweisen, da leicht zugängliche Informationen letztere widerlegen. Nicht so leicht zugänglich sind indessen Informationen darüber, was sich an jedem Ort in Osteuropa während des Krieges zutrug, besonders wenn man sich vor Augen hält, wie die Dokumente nach dem Krieg bewußt verzerrt gedeutet worden sind. Hier setzen die Gaukler an. Sie anerbieten sich, die vorhandenen Lücken zu füllen, und zwar meist nicht mit Dokumenten, sondern mit einer angeblichen Rekonstruktion der Geschehnisse bei Prozessen. Da sie sich in ihren Positionen verschanzt haben, können sie effektiv darüber bestimmen, welche Fragen diskutiert werden; darum müssen sich die Revisionisten in jenen wenigen Fällen, wo sich ihre Gegner auf eine oberflächliche wissenschaftliche Debatte mit ihnen einlassen, mit einer Fülle von Details auseinandersetzen, die man zu lügenhaften Zwecken zusammengesetzt hat. Die Schwindler vermeiden es, den Kern der Sache aufs Tapet zu bringen, denn täten die dies, so hätten die Revisionisten einen leichten Stand.

Kontext und Perspektive

Das gegenwärtig florierende Interesse an Detailfragen ist vom revisionistischen Standpunkt aus wünschenswert, aber auch nötig, weil die Verteidiger der Legende aus ihren ganz anders gelagerten Interessen heraus beschlossen haben, daß eine Konzentration auf Details in der Tat erstrebenswert ist, falls einmal so etwas wie eine Debatte zustande kommt. Diese seltsame holde Eintracht zwischen den beiden Lagern ist natürlich nur oberflächlicher Natur.

Wie gefährlich die Konzentration auf Einzelheiten für die Revisionisten sein kann, geht daraus hervor, daß die Verteidiger der Legende diesen Weg einschlagen, weil sie so anstelle der wirklichen Fragen andere, schwerer zu konternde aufwerfen. Sie verleiten ihre Hörer zielbewußt dazu, Kontext und Perspektive aus den Augen zu verlieren. Was Stangl Gitta Sereny im Gefängnis sagte, ist nicht verständlich, wenn man sich die unglückselige Situation Stangls in der Nachkriegszeit nicht vergegenwärtigt, insbesondere in Deutschland, dessen politisches System just von jenen fremden Eroberern aus der Taufe gehoben wurde, die für die Entstehung der Legende verantwortlich sind. Die Behauptung, das Fehlen normaler historischer Beweise für die Judenausrottung gehe auf eine deutsche Politik der absoluten Geheimhaltung zurück, ist nicht so leicht zu widerlegen, wenn man gewisse Hinweise auf den historischen Kontext der betreffenden Epoche unterläßt — Hinweise von der Art der zuvor von uns erteilten. Deshalb ist es ja schön und gut, sich heutzutage auf die Details zu konzentrieren, doch wir riskieren, noch gar manche Schlacht und letzten Endes gar den Krieg selbst zu verlieren, falls wir den historischen Zusammenhang vergessen und die Perspektive aus den Augen verlieren.

Die Nachwelt wird den Holocaust, diesen eigenartigen Betrug, der uns nun schon seit Jahrzehnten in seinem Bann hält, als vorübergehendes Phänomen betrachten, das nur durch eine überaus dreiste Verzerrung der geschichtlichen Gegebenheiten möglich war. Diese Verzerrung zu durchschauen hat uns erstaunlich viel Mühe gekostet, denn die einzelnen Teile der Legende sind weitaus leichter zu deuten, als wir es getan oder zumindest hervorgehoben haben. Natürlich ist es uns verwehrt, die Dinge so zu sehen, wie die Nachwelt sie sehen wird, aber wir können zumindest versuchen, das Thema von einer übergeordneten Perspektive aus zu betrachten. Dies wird nicht nur unser Ansehen in den Augen künftiger Generationen verbessern, sondern uns auch davor bewahren, bei der heutigen Kontroverse unseren Widersachern in die Falle zu tappen.

Zunächst zur Frage, was genau der Nachwelt als außergewöhnlich auffallen wird. Gewiß nicht die Ausrottung der Juden, denn eine solche hat nicht stattgefunden. Gewiß auch nicht das deutsche Programm zur Vertreibung der Juden. Natürlich wird dieses ein gewisses Interesse erwecken, denn schließlich interessieren sich die Historiker für alle möglichen Episoden der Vergangenheit, doch grundsätzlich haftete diesem deutschen Programm nichts Einzigartiges an, denn die Juden wurden im zweiten nachchristlichen Jahrhundert ja auch aus Jerusalem und im fünfzehnten aus Spanien verjagt, um nur die beiden bekanntesten der vielen Vertreibungen zu erwähnen. Das deutsche Programm mag bedauerlich erscheinen, nicht aber einzigartig.

Als einzigartig wird man die feste Verankerung der Holocaust-Legende in der westlichen Gesellschaft einstufen, ihre Ausschlachtung bis zum Irrsinn, ihre einige Jahrzehnte nach ihrer Entstehung erfolgte Infragestellung durch Personen, von denen man dies gar nicht erwartet hätte, sowie ihren schlußendlichen Zusammenbruch. Eine Folge davon, die für die Revisionisten sowohl aufbauend als auch ernüchternd sein kann, besteht darin, daß sie selbst Gegenstand historischer Forschungen sein werden. Wir sind also Bestandteil des historischen Prozesses, so wie die Nachwelt ihn beurteilen wird, und nicht nur Pioniere bei der Demontage der Legende.

Der Grund dafür wird, so meine ich, in unserer bereits geschilderten Tendenz liegen, uns in endlose Details zu verstricken und dabei Bemerkungen zu unterlassen oder bestenfalls im Vorbeigehen fallen zu lassen, die sich von Anfang an augenscheinlich aufgedrängt und die Legende gleich erledigt hätten.

Hierzu ein konkretes Beispiel. Um augenscheinlich zu sein — so der von mir eben verwendete Ausdruck –, muß eine Sache jedermann klar vor Augen stehen. Wenden wir unser Augenmerk also zwei vor nicht langer Zeit erschienenen und vieldiskutierten Büchern zu, nämlich Auschwitz and the Allies vom [jüdischen, Anm. d. Übers.] Churchill-Biographen Martin Gilbert und The Terrible Secret von Walter Laqueur, dem [ebenfalls jüdischen, Anm. d. Übers.] Direktor des Londoner Instituts für Zeitgeschichte und Herausgeber des Journal of Contemporary History. Die beiden Bücher betrachten das Thema aus einer ähnlichen Perspektive und behandeln großenteils die gleichen Fragen.

Am Ende seiner ausführlichen und reich dokumentierten Studie schreibt Gilbert:[10]

»Zwischen Mai 1942 und Juni 1944 wurde Auschwitz in fast keiner der Meldungen, die den Westen erreichten, als Bestimmungsort für die jüdischen Deportierten oder als Tötungszentrum bezeichnet. Der Name Auschwitz sagte auch jenen nicht viel, die ein ihrer Ansicht nach immer vollständigeres Bild vom Schicksal der Juden zusammensetzten.«

In seiner kürzeren, aber ebenfalls üppig dokumentierten Studie erklärt Laqueur, daß Massentötungen in Auschwitz nicht verheimlicht werden konnten, weil es sich bei Auschwitz um »einen regelrechten Archipel« handelte, die Auschwitz-Häftlinge »über ganz Schlesien verstreut waren« und »Journalisten im Generalgouvernement herumreisten und zwangsläufig erfahren mußten […].«,[11]etc.

Ich habe an diesen Bemerkungen nicht das Geringste auszusetzen, denn schließlich habe ich aufgrund derselben Ausgangslage ganz Ähnliches geschrieben.[12] Nun kann der Leser von Gilbert, Laqueur und Butz seine eigenen Schlußfolgerungen ziehen. Alle drei sagen ihm folgendes:

  1. Zwischen Mai 1942 und Juni 1944 hatten die an dieser Frage interessierten Kreise keine Kenntnis von Massentötungen in Auschwitz.
  2. Es wäre ein Ding der Unmöglichkeit gewesen, Massentötungen in Auschwitz längere Zeit zu verheimlichen.

Da der Leser dieselbe Geschichte von beiden Seiten hört, wird er daraus folgern, daß sie stimmt (wer sich eine Meinung bilden möchte, aber nicht die Zeit hat, selbst historische Forschungen zu betreiben, muß zwangsläufig nach diesem Grundsatz vorgehen). Es gab während des besagten Zeitraums keine Meldungen über Massentötungen in Auschwitz, und Massentötungen in Auschwitz ließen sich nicht lange vertuschen. Also gab es in Auschwitz keine Massentötungen.

Diese Folgerung ist unvermeidlich und bedarf nur eines Minimums an Logik. Sie läßt sich mit folgendem Syllogismus vergleichen:

Ich sehe keinen Elefanten in meinem Keller. Gäbe es in meinem Keller einen Elefanten, so würde ich ihn ganz bestimmt sehen. Also gibt es in meinem Keller keinen Elefanten.

Der gesunde Menschenverstand sagt uns, daß dies allein schon ausreicht, um die Legende in die Rumpelkammer der Geschichte zu verbannen, und doch weiß ich, daß man diesen Punkt in den kommenden Kontroversen oft vergessen wird. Es ist dies ein gutes Beispiel für unsere Kurzsichtigkeit, die künftige Geschlechter verblüffen wird; diese werden sich fragen, wieso man dieses Argument bei all den leidenschaftlichen Debatten nicht öfter vorbrachte. Es ist dies aber beileibe nicht das einzige Beispiel seiner Art. Die Literatur der Holocaust-Autoren wimmelt nur so von Konzessionen, angesichts deren sich die Nachwelt verdutzt fragen wird, wie die Legende überhaupt je geglaubt werden konnte und wozu es zu ihrer Widerlegung eine revisionistische Literatur brauchte. Hierzu jetzt einige spezifische Fakten.

Die Hauptakteure in der hier zur Diskussion stehenden historischen Episode waren die verschiedenen kriegführenden Mächte, die in den alliierten und neutralen Ländern agierenden Judenorganisationen, Judenorganisationen, die in den von Deutschland beherrschten Ländern legal tätig waren, jüdische und nichtjüdische Untergrundorganisationen in den Staaten des deutschen Einflußbereichs, die Katholische Kirche (aufgrund ihrer doppelten Eigenschaft als internationale und zugleich zentralisierte Institution) sowie das Internationale Rote Kreuz.

Unter den Judenorganisationen spielten das JDC (American Jewish Joint Distribution Committe) sowie das eng mit ersterem zusammenarbeitende American Jewish Commitee, die »politische Organisation der nichtzionistischen Elite des US-Judentums«,[13] die erste Geige. Das JDC befaßte sich vor allem mit materieller Hilfe für die Juden. In Europa war der in Lissabon stationierte Joseph J. Schwartz einer seiner namhaftesten Vertreter.[14] Noch wichtiger war für unser Thema Saly Mayer, die zeitweilig inoffizielle, doch stets präsente Vertreterin des JDC in der Schweiz. S. Mayer stand in konstanter Verbindung mit den JDC-Agenturen in Lissabon und New York sowie mit Juden im deutschbesetzten West- und Osteuropa.[15]

Eine bedeutsame Rolle unter den Judenorganisationen kam auch der JA (Jewish Agency) zu, welche damals die Funktion einer inoffiziellen israelischen Regierung innehatte. Ihre Galionsfigur war Chaim Weizman, als dessen Vertreter in Genf Richard Lichtheim und Abraham Silberschein wirkten. Zionistisch orientiert war auch der WJC (World Jewish Congress), dessen Stars Nahum Goldman und Rabbiner Stephen S. Wise waren; sein Hauptvertreter in der Schweiz war Gerhard Riegner. Der Schweizer Vertreter dieser und anderer jüdischer Organisationen stand in regem Kontakt mit Juden in den besetzten europäischen Staaten sowie mit jüdischen und nichtjüdischen Funktionären in den alliierten Ländern. Beispielsweise konnten briefliche und telefonische Verbindungen zwischen Juden in den besetzten Staaten und solchen in neutralen Ländern wie der Schweiz oder der Türkei ohne Schwierigkeiten erfolgen.[16]

Wie nicht nur ich, sondern auch andere Autoren (beispielsweise M. Gilbert) ausführlich dargelegt haben, ging die Ausrottungspropaganda anfänglich vom WJC aus, dem die JA, die polnische Exilregierung und andere, weniger einflußreiche Gruppierungen eifrige Schützenhilfe leisteten.

Hier nun acht einfache Beobachtungen, die (gelegentlich auf dem Umweg über mein eigenes Buch) allesamt der Literatur der Holocaust-Gläubigen entnommen sind und beweisen, daß der Holocaust, genauer gesagt ein Programm zur physischen Massenvernichtung der europäischen Juden, ins Reich der Legende zu verweisen ist.

1) DIE NACH DEM KRIEG VERBREITETE VERSION WURZELTE IN DEN ZUR KRIEGSZEIT AUFGESTELLTEN BEHAUPTUNGEN. DOCH WEISEN DIE KRASSEN UNTERSCHIEDE ZWISCHEN ERSTERER UND LETZTEREN DARAUF HIN, DASS DIE WÄHREND DES KRIEGES ERHOBENEN BEHAUPTUNGEN NICHT DEN TATSACHEN ENTSPRACHEN.

Es gibt zwei grundsätzliche Unterschiede zwischen der Kriegs- und der Nachkriegsversion. Zunächst einmal wurde vieles vor 1945 Behauptete später fallengelassen und nur ein Teil davon aufrechterhalten. Zweitens wurde Auschwitz, laut der Nachkriegsversion Hochburg der Judenausrottung, erst ganz am Ende der Periode, während der sich letztere angeblich abspielte, als Vernichtungslager bezeichnet.

Diese beiden Punkte werden im 3. Kapitel meines Buchs gebührend hervorgehoben; auf den zweiten habe ich eben wieder hingewiesen, und beide werden durch unlängst erschienene Publikationen erhärtet. Für den ersten Punkt läßt sich eine Reihe spezifischer Beispiele anführen, und die in meinem Buch genannten lassen sich durch solche aus seither erschienenen Werken, insbesondere jenem M. Gilberts, fast beliebig ergänzen.[17]

Ein Beispiel. Es lohnt sich, Jan Karski zu erwähnen, einen nichtjüdischen Angehörigen der polnischen Widerstandsbewegung, der, wie es heißt, im November 1942 von dieser nach Polen geschickt wurde, um der polnischen Exilregierung in London Bericht zu erstatten. Karski beschreibt, wie polnische Juden nach Treblinka, Belzec und Sobibor deportiert wurden, und zwar in Eisenbahnwaggons, welche mit »Kalk und Chlor gefüllt waren und mit Wasser bespritzt wurden«. Unterwegs starben die Hälfte der Passagiere infolge von Erstickung, giftigen Dämpfen sowie Mangel an Essen und Wasser. Ihre Leichen werden verbrannt. Die Restlichen werden von Erschießungskommandos liquidiert, in »Gaskammern ermordet« und — in Belzec — in einer »Hinrichtungsstätte mit Strom getötet«. Diese Opfer wurden begraben. Man räumte Karskis Bericht viel Publizität ein und verbreitete ihn in hoher Auflage.[18]

Heute erzählt man uns bekanntlich, fast alle Juden seien in Gaskammern umgebracht und ihre Leichen später eingeäschert worden. Im Karski-Bericht steht auch nichts über Auschwitz, obwohl man seinem Verfasser wirklich nicht vorwerfen kann, er habe das Los der Juden nicht zur Kenntnis genommen.

Karski gab seinen Bericht 1944 in einem albernen Buch mit dem Titel Story of a Secret State wieder, das sich gut verkaufte. Heute ist er »Professor of Government« an der Georgetown Universität zu Washington, D.C. Obgleich die schreienden Unterschiede zwischen seinen Kriegserzählungen und dem, was er nach Kriegsende zu berichten wußte, für Kenner der Materie nichts Neues sind, habe ich ihn hier erwähnt, denn im Zuge der Holocaust-Propaganda, die ihre Sumpfblüten seit einigen Jahren eifriger denn je zuvor treibt, hat man Karski wiederentdeckt und zum Heroen hochgejubelt. 1979 gab er eine gesäuberte Neuauflage seiner Geschichte heraus; ganz offensichtlich lag die Originalversion des Meisterwerkes einigen seiner Freunde schwer auf dem Magen.[19] 1981 nahm er an einer in den Hallen des Außenministeriums durchgeführten, vom »United States Holocaust Memorial Concil« gesponsorten Konferenz teil, deren Vorsitzender, der Schriftsteller Elie Wiesel, »die Veranstaltung organisierte, um zur Errichtung eines Bollwerks gegen die zunehmende Flut des Revisionismus beizutragen«. Soweit ich weiß, trat bei jener Konferenz niemand an Karski heran, um ihn um die Erklärung der Diskrepanzen zwischen seinem damaligen Bericht und der heutigen Holocaust-Version zu bitten.[20]

Man fragt mich gelegentlich, weshalb ich Elie Wiesel nicht erwähne. Deshalb will ich ihm hier einen Abschnitt widmen. Ich befinde ihn nicht der Erwähnung für würdig, weil ich ihn, im Gegensatz zu anderen Autoren, auf die ich eingehe, schlicht und einfach für einen Romanschreiber halte und so gut wie nichts in seinen Schriften etwas mit einer historischen Argumentation zu tun hat. Sogar seine angebliche Autobiographie Night[21] strotzt dermaßen von Phantasien, daß sie als geschichtliche Primärquelle wertlos ist. Dies bedeutet nicht, daß einem die Beschäftigung mit Wiesel keine Einsichten vermitteln könnte. Daß ein Romanschreiber zum Direktor der vom Präsidenten gebildeten Holocaust-Kommission ernannt worden ist — zweifelsohne gingen der Ernennung zähe Grabenkämpfe hinter den Kulissen voraus –, spricht Bände über jene Kräfte, die heute am Werk sind. Wenn ich Wiesels diverse Schreibübungen über den Holocaust kurz beurteilen müßte, würde ich sagen, daß er dabei Höhen erreicht, die unsereins nur mit Hilfe von Zaubertränken aus Gin, Wermuth und ähnlichen starken Sachen erklimmen kann; Wiesel ist auf dergleichen Hilfsmittel nicht angewiesen.[22]

Kehren wir zu unserem Ausgangspunkt zurück, nämlich der Beobachtung, daß die während des Krieges aufgestellten Behauptungen nicht den Tatsachen entsprachen. Daß nur ein Teil jener Behauptungen später noch aufrechterhalten wurde, könnten die Gralshüter der Legende damit zu erklären versuchen, daß die Zustände der Kriegszeit die Überprüfung von Informationen unmöglich machten und der Öffentlichkeit deshalb viele unwahre Geschichten aufgetischt wurden. Als Ergebnis hätten zahlreiche Berichte die Runde gemacht, die, obwohl ursprünglich auf Fakten beruhend, die wirkliche Situation noch dramatisierten. Doch läßt sich diese Erklärung nicht damit vereinbaren, daß Auschwitz nicht als Vernichtungslager geschildert wurde.

2) SOWOHL DIE DOKUMENTE DER KRIEGSZEIT ALS AUCH DAS VERHALTEN DER JUDEN IN DEN VON DEUTSCHLAND BESETZTEN EUROPÄISCHEN STAATEN BELEGEN, DASS DIE JUDEN NICHTS VON EINEM AUSROTTUNGSPROGRAMM WUSSTEN.

Daß es nur sporadischen Widerstand gegen die Deportationen gab, und daß die Juden die verschiedenen Lager betraten, ohne ihre dortige Ermordung zu fürchten, ist seit vielen Jahren wohlbekannt, und in letzter Zeit veröffentlichtes Material hat diesen Sachverhalt noch erhärtet. Allerdings unterläßt man es gewöhnlich, die erforderlichen Schlüsse daraus zu ziehen. Man beachte, daß dies für die jüdischen Führer in den verschiedenen besetzten Ländern ebenso galt wie für die jüdischen Massen.

Einige Beispiele mögen dies verdeutlichen. Ende 1942 nahmen slowakische Judenführer, die mit den Deutschen verhandelten, das deutsche Angebot zur Einstellung der Deportationen aus Auschwitz ernst. In den Unterlagen des französischen Judentums »findet sich eine Fülle von Dokumenten, die dazu neigen, der Ausrottung zu widersprechen«. Französische Judenführer betrachteten Auschwitz als »Arbeitsstätte«, und im November 1944 (nachdem die Deutschen aus Frankreich verdrängt worden waren) dachten sie bezüglich der Deportierten in erster Linie an die Familienzusammenführung. Man berichtet uns, die Juden in Holland hätten »niemals wirklich gewußt, was sich in Polen tat«, und die Dokumente des Jüdischen Rats von Amsterdam vom 22. Januar 1943 bewiesen, daß die Möglichkeit der Ausrottung als Erklärung für die Trennung von Familien nie auch nur in Erwägung gezogen wurde. Jüdische Führer in Rom wußten nichts von einem Ausrottungsprogramm und fürchteten die Deportationen lediglich wegen »der Härten des Winters und der gebrechlichen Gesundheit vieler Deportierter«. Unter diesen Umständen verwundert es keineswegs, daß (jüdische oder nichtjüdische) Widerständler nur ein einziges Mal einen nach Auschwitz rollenden Deportationszug zum Entgleisen brachten (der Zwischenfall trug sich in Belgien zu) .[23]

Einige Worte zu einem Mann, der ohne jeden Zweifel gut informiert war, nämlich dem Rabbiner Leo Baeck, dem hochverehrten Oberhaupt des deutschen Judentums. Am 20. November 1942 schrieb er in einem Brief, er hege nicht den Verdacht, daß die verschleppten Juden getötet worden seien, und nach dem Krieg gab er selbst zu, anderen Juden während seines Aufenthalts in Theresienstadt, von wo viele Deportationen ausgingen, niemals etwas von einer Ausrottung berichtet zu haben.[24]

Im Frühling 1944, als die Deutschen in Ungarn einrückten, waren den Führern des ungarischen Judentums die Berichte über Ausrottungsaktionen einschließlich solcher in Auschwitz zu Ohren gekommen. Sie maßen diesen Berichten jedoch »keine Bedeutung bei«.

»Nicht dringende Appelle an ihre jüdischen Glaubensbrüder, sich den Deportationen zu widersetzen, sondern geheime Verhandlungen mit der SS mit dem Ziel, die Deportationen vollständig abzuwenden, waren die Strategie, auf welche die ungarischen Zionistenführer ihre ganzen Hoffnungen setzten«[25]

Was Polen betrifft, so gab es den berühmten Warschauer Ghettoaufstand vom April 1943. Er setzte jedoch erst ein, als die große Mehrheit der Warschauer Juden bereits nach Osten abgeschoben worden war. Man behauptet, im März 1943 sei die Ausrottung des polnischen Judentums fast schon abgeschlossen gewesen. Während des Zeitraums, in dem sich die Ausrottung angeblich abspielte, gab es keinerlei nennenswerten Widerstand gegen die Deportationen.[26] Zudem führten unzählige polnische Juden ausführlich Buch über die Geschehnisse, so daß »uns viele Dokumente posthum in die Hände gefallen sind«. Doch »fehlen die entscheidenden Dinge in diesen Dokumenten«.[27]

Somit wußten die Juden nichts von einem Ausrottungsprogramm, denn sonst hätten sie unvermeidlich verzweifelten Widerstand gegen die Deportationen geleistet, und der Massenmord hätte in ihren Aufzeichnungen gebührenden Widerhall gefunden.

Schuberge: Antifaschistische
Greuelpropaganda schon auf dem
Titelbild. (links klein: Das deutsche
Pendant.)

3) JÜDISCHE ORGANISATIONEN AUSSERHALB DES BESETZTEN EUROPA WIE Z.B. DAS JDC, DER WIC, DIE JA U.A. VERHIELTEN SICH NICHT SO, ALS SCHENKTEN SIE IHREN EIGENEN ERZÄHLUNGEN ÜBER DIE AUSROTTUNG GLAUBEN.

Dies gilt in verschiedener Hinsicht, insbesondere bezüglich des eben zuvor Dargelegten. Die Juden, die angeblich die Deportationszüge bestiegen, ohne zu ahnen, daß ihnen der Tod drohte, standen wie erwähnt in engem Kontakt mit jüdischen Organisationen außerhalb des besetzten Europas. Zahlreiche jener Dokumente, die ihre gänzliche Unkenntnis eines Ausrottungsprogramms enthüllten, bilden Bestandteil ihres Informationsaustauschs mit den Juden außerhalb Europas. Doch die außereuropäischen Juden nahmen sich nicht die Mühe, ihre Glaubensbrüder in Europa über den Zweck aufzuklären, den die Deportationen verfolgten — wenn man die für die Öffentlichkeit bestimmten Erklärungen für bare Münze nimmt. Hätten sie es getan, so hätten die europäischen Juden die Züge nicht widerstandslos bestiegen.

Das bisher Gesagte ist bereits beweiskräftig, doch lohnt sich der Hinweis auf das Verhalten der Judenorganisationen während des angeblichen Holocaust.

Chaim Weizmann ging mit den Mordgeschichten hausieren, wenn es ihm gerade nützlich erschien. Doch im Mai 1943 richtete er eine Beschwerde folgenden Inhalts an Churchills Sekretariat: Wenn die alliierte Presse weiterhin über den Beitrag von Juden zu den von den alliierten Wissenschaftlern unternommenen Kriegsanstrengungen berichte, so würden die Deutschen zu weiteren antijüdischen Repressalien greifen[28] — welche Repressalien noch schlimmer sein konnten als die physische Ausrottung sämtlicher Juden, bleibt unerfindlich.

Wie schon erwähnt, sollen laut der Legende bis März 1943 fast alle polnischen Juden ausgerottet worden sein. Doch während des Zeitraums, als die Massenmorde angeblich stattfanden, und sogar noch im Jahre 1944 schickten jüdische Hilfsorganisationen im Westen Lebensmittelpakete an Juden in Polen, und zwar hauptsächlich durch die JUS (Jüdische Untersuchungsstelle). Die deutschen Behörden genehmigten dies. Seitens der polnischen Exilregierung in London wurde den Judenorganisationen in Polen sogar Geld übermittelt.[29] Auch dies wurde von den deutschen Behörden erlaubt.

1944 wurde Polen zum Schlachtfeld. Am 14. März jenes Jahres, als die Rote Armee auf Lemberg (Lwow) vormarschierte, erinnerte der WJC die Briten daran, daß es in der Lemberger Gegend »immer noch eine beträchtliche Anzahl Juden« gebe, daß eine »abermalige, nachdrückliche Warnung an die Deutschen« vonnöten sei, und daß man die Rettung von Juden aus den NS-beherrschten Gebieten intensivieren müsse (offensichtlich sollten jene Juden nach Palästina gebracht werden, wie der WJC in seinen während des Krieges abgegebenen Erklärungen hervorhob).[30] Nach Ansicht des WJC waren die »ermordeten« Juden also immer noch vorhanden.

Jüdische Zeitungen im Westen veröffentlichten zwar hie und da Berichte über Massenmorde, waren aber offenbar der Auffassung, diese Berichte seien stark übertrieben, und widersprachen ihnen gelegentlich in ihren eigenen Kommentaren. Beispielsweise lobte der — anscheinend gut informierte — linksgerichtete jüdische Bund in der Oktobernummer seiner Publikation Das Ghetto spricht den »gemeinsamen Kampf der polnischen und der jüdischen Massen«. Auch die Bund-Leute vertraten also die Ansicht, daß die »ermordeten« Juden zumindest zum großen Teil noch vorhanden waren. Doch ganz abgesehen von solchen markanten Einzelfällen wird allgemein zugegeben, daß es sogar nach der alliierten Erklärung vom 17. Dezember 1942 über die deutschen Verbrechen in den besetzten Territorien, als erstmals Ausrottungsvorwürfe erhoben wurden, »keine machtvolle, unzweideutige Antwort seitens des US-Judentums einschließlich des JDC« gab. Im allgemeinen

»drängten die Juden nicht ernsthaft nach Rettungsaktionen, und ihre Propaganda für die jüdische Auswanderung nach Palästina wirkte oft nachhaltiger als ihre Sorge um die Errettung ihrer Brüder.«[31]

Die historischen Unterlagen beweisen also, daß die jüdischen Organisationen außerhalb des besetzten Europas wohl immer wieder öffentlich die Ausrottung der Juden in den okkupierten Ländern beschworen, sich aber so verhielten, als gebe es eine solche Ausrottung in Wirklichkeit nicht. Den klarsten Beweis dafür liefert die Tatsache, daß sie nichts taten, um die europäischen Juden zu warnen, und daß sie ihre Anstrengungen hauptsächlich auf die jüdische Auswanderung nach Palästina lenkten.

4) DIE ALLIIERTEN REGIERUNGEN UND IHRE MITGLIEDER VERHIELTEN SICH NICHT SO, ALS SCHENKTEN SIE DEN AUSROTTUNGSGESCHICHTEN GLAUBEN, UND IHRE GEHEIMDIENSTE BESTÄTIGTEN DIE RICHTIGKEIT DIESER GESCHICHTEN NIEMALS.

Hinsichtlich der Aktionen der alliierten Regierungen und ihrer Mitglieder lassen sich folgende drei Feststellungen treffen:

  1. Die Erklärungen dieser Regierungen zur Ausrottung waren widersprüchlich, zweideutig und erfolgten zu einem unerklärlich späten Zeitpunkt.
  2. Es wurden keinerlei konkrete Maßnahmen ergriffen, um den Judendeportationen oder den angeblichen Geschehnisse in den Lagern Einhalt zu gebieten.
  3. Konkrete Aussagen führender Regierungsmitglieder belegen, daß sie den Behauptungen keinen Glauben schenkten.

Von den einschlägigen Erklärungen der alliierten Regierungen ist jene vom 17. Dezember 1942 vielleicht die bekannteste. Sie war zwar in äußerst scharfem Tone abgefaßt, doch inhaltlich höchst verschwommen und wurde zu einem befremdlich späten Zeitpunkt abgegeben. Der Ausrottungslegende zufolge war die Massenvernichtung damals außerhalb der Sowjetunion schon seit einem vollen Jahr im Gang. Auch seitens der Sowjets stellte die alliierte Erklärung den ersten unzweideutigen Ausrottungsvorwurf dar, obgleich die Massenmorde auf dem Territorium der UdSSR doch unmittelbar nach dem deutschen Einmarsch im Juni 1941 eingesetzt haben sollen. Dadurch wird die verspätete sowjetische Erklärung ganz besonders unglaubhaft, zumal »alle Ursache zur Annahme besteht, daß die Sowjetbehörden von Anfang an über alle wichtigen Geschehnisse in den besetzten Gebieten auf dem laufenden waren.«[32]

Anderseits wurden die Juden in der am 1. November 1943 abgegebenen alliierten Erklärung über Kriegsverbrechen, in der deutsche Greueltaten gegeißelt wurden, überhaupt nicht der Erwähnung für wert befunden! Beim Entwurf dieser Erklärung hatte das britische Außenministerium Hinweise auf Gaskammern getilgt, »weil die Beweise nicht stichhaltig waren.«[33]

Im Zusammenhang mit Auschwitz wurde den Deutschen in einer am 10. Oktober 1944 von London und Washington ausgestrahlten Radiosendung angelastet, sie hegten Pläne »zur Massentötung der Menschen in den Konzentrationslagern Auschwitz und Birkenau«. Der deutsche telegraphische Dienst erwiderte umgehend, diese Berichte seien »von A bis Z falsch«.[34] Seitens prominenter alliierter Stellen wurde Auschwitz erstmals gegen Ende November 1944 im Zusammenhang mit Ausrottungsmaßnahmen erwähnt, also zu einem Zeitpunkt, wo der heutigen Version zufolge die Massenmorde bereits eingestellt worden waren. Dies geschah in der Form jenes Dokuments, das ich als »WRB Report« bezeichnet habe, da es vom WRB (War Refugee Board) erstellt worden war.[35] Die Sowjets nahmen Auschwitz am 27. Januar 1945 ein und ließen keine ausländischen Beobachter zu, auch nicht, nachdem solche ihr Interesse angemeldet hatten, und auch nicht nach den marktschreierischen Berichten über die Befreiung von Bergen-Belsen und Buchenwald. Sowjetischerseits begnügte man sich Ende April 1945 mit der Behauptung, in Auschwitz seien vier Millionen Menschen ermordet worden, und am 7. Mai desselben Jahres veröffentlichten die Sowjets einen ausführlicheren »Rapport«.[36]

Daß die Alliierten keine konkreten Maßnahmen zur Errettung des europäischen Judentums oder zur Verhinderung der Deportationen bzw. der angeblichen Vorgänge in den Lagern ergriffen haben, ist allgemein bekannt. Der schlagendste Beweis dafür ist die kurze und weitgehend vertrauliche Kontroverse darüber, ob man Auschwitz bombardieren solle, um die dortigen Massenmorde zu stoppen. Chaim Weizmann hatte diesen Schritt im Sommer 1944 (wenn auch anscheinend nur halbherzig) angeregt. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die Briten und Amerikaner nur pro forma so taten, als erwögen sie Weizmanns Vorschlag ernstlich. Am 7. Juli 1944 erkundigte sich Außenminister Anthony Eden beim Luftfahrtministerium, ob eine solche Operation durchführbar sei. Es dauerte eine ganze Weile, ehe Weizmann eine Antwort erhielt. Am 1. September 1944 schrieb ihm Richard Law vom Außenministerium, angesichts der großen technischen Schwierigkeiten gebe es »keine andere Wahl, als von der Durchführung des Vorschlags unter den gegenwärtigen Umständen abzusehen«. Diese Antwort erfolgte ungeachtet der Tatsache, daß zur Zeit, wo Weizmanns Anregung angeblich diskutiert wurde, die alliierten Luftstreitkräfte die Bombardierung von Auschwitz vorbereiteten; wie viele andere Orte galt dieses wegen seiner Ölraffinerien als Angriffsobjekt, und am 20. August 1944 wurde es zum ersten Mal bombardiert (es folgten noch mehrere weitere Angriffe). Ganz offensichtlich nahm man die Geschichten über eine Massenausrottung in Auschwitz nicht ernst. Dies geht auch daraus hervor, daß die angeblich entscheidenden Informationen, die später im WRB Report publiziert wurden, im Juli 1944 in London und Washington eintrafen, aber von beiden Regierungen seelenruhig abgelegt und »erst dreieinhalb Monate später wieder aus der Versenkung geholt« wurden.[37]

Zahlreiche Aussagen führender Mitglieder der alliierten Regierungen beweisen, daß diese den Ausrottungsgerüchten keinen Glauben schenkten. Die engen Beziehungen zwischen der jüdischen Gemeinschaft und der Roosevelt-Regierung sind wohlbekannt. Im September 1942[38]

»zögerte diese Regierung, die Berichte über Tötungszentren zu akzeptieren und an einen organisierten Versuch zur Liquidierung der Juden zu glauben. Roosevelt teilte [dem jüdischen Mitglied des obersten US-Gerichts Felix] Frankfurter mit, welchen Zweck die Deportationen seiner Meinung nach verfolgten: Die Juden wurden an der sowjetischen Grenze schlicht und einfach zum Bau von Befestigungsanlagen eingesetzt.«

Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß Roosevelts Erklärungen gegenüber Frankfurter auf den vom US-Geheimdienst gesammelten Informationen beruhten. Frankfurter ließ sich allem Anschein nach überzeugen, denn als Jan Karski später nach Washington kam, um seine Gruselgeschichten feilzubieten, sagte ihm Frankfurter:[39]

»Ich kann Ihnen nicht glauben.«

Als die Hiobsbotschaften über Auschwitz Washington erreichten, kommentierten Beamte des Außenministeriums sie privat so:[40]

»Solches Zeug hören wir aus Bern schon seit 1942 […] Vergeßt nicht, daß wir es mit einem Juden zu tun haben, der von Juden spricht. […] Das ist nur eine Kampagne dieses Juden Morgenthau und seiner jüdischen Helfer.«

In England war die Lage ganz ähnlich. Im September 1942 verurteilte Churchill in einer Rede vor dem Unterhaus »die Massendeportation von Juden aus Frankreich, bei der ganze Familien unter schrecklichen Folgen gezielt und endgültig auseinandergerissen werden«. Von einer Ausrottung wußte Churchill nichts zu berichten. Im Außenministerium stießen die Mordgeschichten allgemein auf Unglauben, und ein Funktionär des Kolonialamtes tat sie als »weinerliches Geplärre der Jewish Agency« ab.[41]

Im November 1942 schrieb Eduard Beneš, der im Londoner Exil lebende frühere Präsident der Tschechoslowakei, welcher über die Ereignisse in seiner Heimat gut unterrichtet war, an den WJC, die von Riegner in der Schweiz verbreiteten Behauptungen seien falsch, und die Deutschen hätten keine Pläne zur Ausrottung der Juden.[42] Die Schweizer Regierung betrachtete die Alliierte Erklärung vom 17. Dezember 1942 als »von ausländischen Kreisen betriebene Gerüchtekrämerei übelster Art.«[43]

Von erstrangiger Bedeutung für unser Thema ist, was die alliierten Nachrichtendienste zu berichten hatten. Obwohl ich mich etliche Jahre lang mit der Literatur zu diesem Thema auseinandergesetzt habe, bin ich nie auf eine Bestätigung der Ausrottungsgeschichten seitens irgendeines Geheimdienstes gestoßen. Ganz im Gegenteil: die Berichte der alliierten Nachrichtendienste versetzen der Legende manch herben Schlag. So erklärte »William Cavendish-Bentick, Vorsitzender des britischen Joint Intelligence Committee, dessen Aufgabe darin bestand, all diese Berichte aus Nazideutschland auf ihre Richtigkeit bzw. Unrichtigkeit hin zu überprüfen«, in privatem Kreis, die in Umlauf gebrachten Geschichten neigten dazu, »deutsche Gewalttaten aufzubauschen, um uns in Fahrt zu bringen.«[44]

Ein hochrangiger Beamter im US-Nachrichtendienst, John Beaty, einer der zwei Verfasser des täglich erscheinenden »G-2 Report«, der jeden Mittag an hochgestellte Persönlichkeiten überreicht wurde und sie über den augenblicklichen Stand der Weltpolitik unterrichtete, machte sich in einem in den fünfziger Jahren publizierten Buch über die Sechsmillionenlegende lustig.[45]

Die einzigen wirklich bedeutsamen Unterlagen, die wir einer Geheimdienstquelle verdanken, sind die Luftaufnahmen der Gegend um Auschwitz. Diese wurden 1979 von zwei CIA-Luftbildauswertern veröffentlicht. Viele der untersuchten Aufnahmen entstanden im Frühling 1944, als der Legende zufolge tagtäglich etwa 10.000 ungarische Juden in Auschwitz ermordet wurden. Da die Krematorien anerkanntermaßen nicht zur Verbrennung all dieser Leichen ausgereicht hätten, sollen diese größtenteils Tag und Nacht unter freiem Himmel verbrannt worden sein.[46] Die Luftaufnahmen liefern nicht den geringsten Beweis für solche Freilufteinäscherungen, und die Bildauswerter bemerken, daß sogar die Kamine der Krematorien den Eindruck erweckten, als seien letztere nicht in Betrieb.[47]

Somit steht fest, daß die Alliierten die Ausrottungsbehauptungen nicht ernst nahmen und nur gelegentlich pro forma nachbeteten.

5) DER VATIKAN SCHENKTE DEN AUSROTTUNGSGESCHICHTEN KEINEN GLAUBEN

Es wird allgemein anerkannt, daß der Vatikan dank des internationalen Charakters der Katholischen Kirche sowie ihrer ausgedehnten Operationen in allen Ländern über das Los der Juden unterrichtet sein mußte.[48] Doch auch nach der Vertreibung der Deutschen aus Rom, ja selbst nach der deutschen Niederlage, war aus dem Vatikan nie eine klare Verdammung der Judenvernichtung zu hören, obgleich die Alliierten großen Druck auf den Heiligen Stuhl ausübten, eine entsprechende Erklärung zu verabschieden.

In seiner Weihnachtsbotschaft 1942 gab der Papst eine zweideutige diesbezügliche Erklärung ab, doch erst nachdem die Briten unverblümt zu erkennen gegeben hatten, eine solche Erklärung könne sich als hilfreich erweisen, um die Alliierten von einer Bombardierung Roms abzubringen. Doch obwohl der Papst sich schließlich halbwegs im gewünschten Sinne äußerte, gab er den Alliierten zu verstehen, daß er die Geschichten nicht glaubte: Seiner Ansicht nach »hatte man aus Propagandagründen gewisse Übertreibungen begangen.«[49]

Daß die Legende heutzutage von Sprechern des Vatikans öffentlich unterstützt wird, ist historisch gesehen ohne jede Bedeutung.

6) DIE AKTIONEN UND BERICHTE DES INTERNATIONALEN KOMITEES DES ROTEN KREUZES STEHEN MIT DEN AUSROTTUNGSBEHAUPTUNGEN NICHT IN ÜBEREINKLANG.

Genau wie der Vatikan legen die Sprecher des IKRK heute Lippenbekenntnisse zur Stützung der Legende ab, doch auch in diesem Fall ist dies bar jeder historischen Bedeutung. In den nach dem Krieg vom IKRK veröffentlichten Dokumentenbänden stehen ebenfalls Bemerkungen, die der Legende entsprechen. Von ungleich größerem Interesse für Historiker ist jedoch, was in den während des Krieges entstandenen Berichten über die Aktivitäten des Roten Kreuzes vermeldet wird.

Daß diese Aktivitäten sowie die darüber abgefaßten Berichte nicht im Einklang mit der Legende steht, habe ich in meinem Buch ausführlich dargelegt, und ich will mich hier nicht wiederholen.[50] Einige zusätzliche Bemerkungen scheinen mir indessen der Erwähnung wert.

Am 14. April 1943 stellte das IKRK klar, daß es Auschwitz als Arbeitslager für Deportierte einstufte, denen man Pakete zustellen konnte.[51]

Zwei Besuchen des IKRK in Theresienstadt, der jüdischen Siedlung im Protektorat Böhmen und Mähren, wurde damals erhebliche Aufmerksamkeit zuteil. In beiden Fällen fielen die Berichte der Delegierten für die Deutschen verhältnismäßig positiv aus. Nur selten wird erwähnt, daß der Delegierte, der — im Frühling 1945 — den zweiten Besuch veranstaltete, George Dunant war. Er beschrieb Theresienstadt als

»Experiment seitens gewisser Führer des Reiches, die den Juden anscheinend weniger feindlich gesinnt sind als jene, die für die Rassenpolitik der Deutschen Regierung die Verantwortung tragen.«

Da Dunant von Adolf Eichmann durch Theresienstadt geführt wurde, muß er gewußt haben, daß jenes von Himmlers SS geschaffen worden war. Darüber hinaus stand Dunant offensichtlich in engem Kontakt mit jüdischen Vertretern. Beispielsweise begab er sich Anfang 1945 nach Preßburg (Bratislava), um — nicht zuletzt auf Drängen Saly Mayers — untergetauchten Juden mit Geldmitteln unter die Arme zu greifen.[52]

7) IN DEN DEUTSCHEN DOKUMENTEN IST NICHT VON EINER AUSROTTUNGSPOLITIK, SONDERN VON EINEM PROGRAMM DER VERTREIBUNG DER JUDEN SOWIE IHRER ANSIEDLUNG IM OSTEN DIE REDE. ES GIBT KEINE DEUTSCHEN DOKUMENTE ÜBER GASKAMMERN (ZUR MENSCHENTÖTUNG) IN DEN KONZENTRATIONSLAGERN.

Daß die deutschen Dokumente nichts über eine Ausrottung der Juden enthalten, ist eine allgemein bekannte Tatsache. Beispielsweise existiert kein Hitler-Befehl zur Tötung der Juden.[53] In den Dokumenten wird die »Endlösung der Judenfrage« als Synonym für die endgültige Vertreibung der Juden aus Europa beschrieben, der als Zwischenphase während des Krieges ihre Ansiedlung im besetzten Osten vorangehen sollte.[54]

Die Verteidiger der Legende stellen natürlich die Behauptung auf, die Deutschen hätten sich beim Abfassen ihrer Dokumente einer Tarnsprache bedient. Dieser Einwand fällt darum in sich zusammen, weil ein solcher Versuch zur Verschleierung nur dann einen Sinn ergäbe, wenn die betreffenden Vorgänge hätten verschleiert werden können. Doch leuchtet es ein, daß eine tatsächliche Ausrottung der Juden ganz unabhängig vom Kriegsausgang niemals vertuscht werden konnte.

Aus den zuvor erörterten Gründen hätten sich solche Ungeheuerlichkeiten im Nu herumgesprochen. Sogar wenn wir den Deutschen eine unglaubliche Dummheit unterstellen, müssen wir doch davon ausgehen, daß sie über die von ihren Kriegsgegnern erhobenen Ausrottungsvorwürfe Bescheid wußten; unter diesen Umständen hätten sie begriffen, daß jegliche Vertuschungsversuche in den Dokumenten zwecklos waren.

Auch von Gaskammern zur Menschentötung steht in den deutschen Dokumenten nichts. Alles, was die Bannerträger der Legende zu bieten haben, sind Beweise für den Einsatz von Zyklon-B oder anderen Entwesungsmitteln, Photos von ganz gewöhnlich aussehenden Duschen (in denen sich angeblich gruselige Dinge verbargen), Behauptungen über Tötungen durch Dieselabgase (offenbar wissen sie nicht einmal, daß diese Abgase vor allem nichttödliches Kohlendioxid und nur wenig Kohlenmonoxid enthalten) und Erzählungen über »Gasöfen« (wie die meisten Küchenöfen sind auch die Verbrennungsöfen von Krematorien Gasöfen, und die Krematorien in den deutschen Lagern bildeten keine Ausnahme).

All dies ist dermaßen läppisch, daß wir es uns schenken können, noch länger dabei zu verweilen. Zeichnungen und Baupläne von Gaskammern zur Menschentötung gibt es auch nicht. Aufgrund meiner Erfahrungen als Ingenieur kann ich ruhigen Gewissens behaupten, daß es unmöglich sein dürfte, alle normalen Unterlagen von Ingenieursprojekten jenes Ausmaßes, wie es der Bau der angeblichen Gaskammern gewesen wäre, einfach verschwinden zu lassen. Dokumente müssen nicht nur angefertigt, sondern auch an die zahlreichen mit Einzelaufgaben betrauten Personen verteilt werden, sonst ist keine vernünftige Koordination möglich. Selbst wenn wichtige Dokumente streng geheimgehalten werden (wie etwa klassifiziertes Material in den USA), könnten die Beteiligten später Details liefern, die insgesamt ein zusammenhängendes und glaubwürdiges Bild ergäben. Ein solches liegt jedoch beim Holocaust nicht vor; ganz im Gegenteil: Hier wimmelt es gleich auf zwei Ebenen nur so von Widersprüchen. Zunächst paßt das, was man über die Gaskammern berichtet, nicht zu den anerkannten echten Dokumenten über die Entwesungsmaßnahmen; ferner stehen die von den Verteidigern der Legende aufgetischten Einzelheiten im Widerspruch zu ihrer Behauptung, die Gaskammern seien von lokalem, technisch unqualifizierten Personal ad hoc improvisiert worden.[55]

Interessanterweise haben zwei der engsten Mitarbeiter Heinrich Himmlers, die SS-Generäle Gottlob Berger und Karl Wolff, beide bezeugt, sie hätten während des Krieges keine Kenntnis von einem Ausrottungsprogramm gehabt. Noch interessanter ist, daß Himmler selbst kurz vor Kriegsende einem WJC-Vertreter gegenüber folgendes sagte:[56]

»Um die Epidemien einzudämmen, mußten wir die Leichen zahlloser an Krankheiten gestorbener Menschen verbrennen. Deshalb sahen wir uns gezwungen, Krematorien zu bauen, und daraus wird man uns nun einen Strick drehen.«

Sollen wir ernstlich glauben, daß die Übereinstimmung zwischen dieser Selbstrechtfertigung Himmlers und der Flut jener Dokumente, die Himmlers Feinde in den drei Jahren nach seinem Tod gesammelt haben, rein zufällig ist? Sollen wir ferner auch die Übereinstimmung zwischen dem, was die deutschen Dokumente über die NS-Judenpolitik aussagen, und dem Verhalten — nicht den Worten! — der Kriegsgegner Deutschlands mit einem Zufall erklären?

8) DER DEUTSCHE WIDERSTAND GEGEN HITLER, EINSCHLIESSLICH DER VIELEN IN DER ABWEHR TÄTIGEN HITLERGEGNER, WUSSTE NICHTS VON EINEM PROGRAMM ZUR JUDENVERNICHTUNG

Unter den Angehörigen des deutschen Widerstands gab es natürlich viele, die das NS-System aufgrund seines antijüdischen Charakters ablehnten. Dazu kommt, daß die Abwehr, also die der Spionagebekämpfung dienende Organisation, bis 1944 von einem Verräter, Admiral Wilhelm Canaris, geleitet wurde. Den zweithöchsten Rang in der Abwehr bekleidete Hans Oster, der für finanzielle und administrative Angelegenheiten zuständig war und das Zentralverzeichnis der Agenten führte. Sowohl Oster als auch einer seiner Untergebenen, Hans von Dohnany — ein als Arier eingestufter Judenmischling — unternahmen »allerlei Operationen, die mit ihren unmittelbaren Aufgaben nichts zu tun hatten«. Zu diesen »Operationen« gehörten Teilnahme an der Opposition gegen Hitler und illegale Unterstützung verschiedener Juden. Oster und von Dohnanyj wurden wegen Verstrickung in den gescheiterten Putschversuch vom 20. Juli 1944 hingerichtet.[57]

In den verschiedenen Studien über die Aktivitäten der antinationalsozialistischen Opposition in Deutschland, z.B. Hans Rothfels’ The German Opposition to Hitler, findet sich nicht der geringste Hinweis darauf, daß diese Opposition irgendetwas über ein Programm zur Judenvernichtung gewußt oder den Alliierten entsprechende Informationen geliefert hätten. Wäre den Widerständlern ein solches Programm bekannt gewesen, so hätten sie die Alliierten ohne jeden Zweifel darüber unterrichtet, denn die deutsche Opposition stand in Verbindung mit diesen und bemühte sich sogar, wenn auch vergeblich, für den Fall einer Beseitigung Hitlers von ihnen gewisse Zusagen zu erhalten.[58]

Auch wenn es denkbar ist, daß einige in der Opposition gegen Hitler tätige Deutsche nichts von einem Judenausrottungsprogramm wußten — will man uns allen Ernstes zumuten zu glauben, daß die höchsten Vertreter der Abwehr auch ahnungslos waren?

Somit sind wir mit der Diskussion unserer acht einfachen Beobachtungen am Ende angelangt, »welche beweisen, daß der Holocaust, genauer gesagt ein Programm zur physischen Massenvernichtung der europäischen Juden, ins Reich der Legende zu verweisen ist«. Die Ausrottungsbehauptung vermag keiner einzigen historischen Prüfung standzuhalten; um sie zu vertreten, bedarf es eines Ausmaßes an Chuzpe, das man sich vor dem Krieg schlechthin nicht hätte vorstellen können. Man will uns weismachen, daß diese »Ereignisse von kontinentalem Ausmaß und von dreijähriger Dauer, die Millionen von Opfern gefordert haben sollen«, sich zutrugen, ohne daß irgendeine der beteiligten Parteien etwas davon merkte! Genau so gut könnte man mir einreden wollen, in meinem Keller habe sich ein Elefant aufgehalten, ohne daß ich ihn dort sah; während ich in meiner Stube saß, sei er dann hinaufgekommen und habe ein wenig herumrumort (die Treppen, der Fußboden und die Türöffnungen hätten sich seiner Größe auf wundersamer Weise angepaßt), und schließlich habe er mein Haus verlassen und sei am hellichten Tage durch ein Geschäftsviertel mehrere Meilen heim zu seinem Zoo spaziert, ohne daß irgend jemand ihn sah!

Paul Rassinier hat die Ausrottungsbehauptungen irgendwann als »unseriös« betrachtet. Ich finde diesen Ausdruck stark untertrieben. Sie sind nicht unseriös, sondern schwachsinnig. Doch dies ist nicht das Thema unserer Diskussion. Was ich
aufzeigen wollte, ist, daß all die von mir gemachten Bemerkungen förmlich mit Händen zu greifen sind, stehen sie doch größtenteils in Büchern, die unlängst nicht von Revisionisten, sondern von rührigen Werbetrommlern der Legende geschrieben wurden; die wenigen, die nicht in diesen Büchern zu finden sind, können ihnen zumindest auf dem Wege der Deduktion entnommen werden. Wegen der in den letzten Jahren zunehmend grassierenden Holocaust-Manie wurde kräftig Werbung für diese Bücher gemacht, und ihr Inhalt wurde überall verbreitet. Es mag ja sein, daß die Fakten in ihnen nicht so konzentriert und klar dargelegt werden, wie ich es getan habe, doch dargelegt werden sie trotzdem. In Anbetracht dessen wäre es eine Kurzsichtigkeit, welche die Nachwelt kaum begreifen könnte, wenn wir uns bei der Holocaust-Kontroverse damit zufrieden gäben, uns mit allen möglichen von den Verteidigern der Legende ins Feld geführten Details herumzuschlagen und die umwerfend simplen historischen Beobachtungen aus den Augen verlören, welche die Behauptung, die Deutschen hätten ein Programm zur physischen Ausrottung der Juden Europas verfolgt, ad absurdum führen.

Schlußbemerkungen

Bei künftigen Kontroversen werden die Anhänger der Legende nichts unversucht lassen, um die Streitfrage mit allen möglichen Kniffen zu komplizieren, die wir uns zumindest teilweise schon heute ausmalen können. Das Beispiel der Konstantinischen Schenkung hat uns gezeigt, daß einfache Bemerkungen, die den gänzlich ahistorischen Charakter einer Legende bloßstellen, unterdrückt werden können. Deswegen rate ich jenen, die an diesen Kontroversen teilhaben werden, stets im Auge zu behalten, daß das Kernstück der Debatte, die behauptete Judenausrottung, durch eine ganz gewöhnliche historische Analyse widerlegt werden kann.

Aus diesem Grund ist zu vermuten, daß die Gralshüter der Legende bei den kommenden Auseinandersetzungen zu Behauptungen Zuflucht nehmen werden, die man nicht so leicht mit normalen Methoden überprüfen kann, indem man sie als Hypothesen in einen angemessenen geschichtlichen Kontext einordnet und dann analysiert, um sie in diesen einzupassen. Einen Hinweis auf diese künftige Strategie unserer Gegner vermittelt der aufschlußreiche Artikel der Sereny im New Statesman, auf den ich vorhin eingehend verwiesen habe. Die Verfasserin verhehlt darin nicht, daß sie lieber über Orte wie Belzec, Sobibor und Treblinka als über Auschwitz diskutierten möchte.

Dafür gibt es gute Gründe. Die Sereny formuliert diese so:

»In Auschwitz gab es sowohl mächtige industrielle Anlagen als auch Tötungseinrichtungen. Weil so viele Menschen Auschwitz überlebt haben, wissen wir über dieses Lager am meisten, doch trägt Auschwitz auch am stärksten dazu bei, die Unterscheidung zwischen Arbeits- und Vernichtungslagern zu verwirren.«

Der Unterschied zwischen Auschwitz und den anderen als »Vernichtungslager« bezeichneten Stätten ist durchaus berechtigt. Auschwitz war ein riesiges Zentrum, in dem sich alle möglichen Aktivitäten abspielten und das einer Vielzahl von Zwecken diente, während die anderen angeblichen Vernichtungslager klein und unbedeutend waren, nur während verhältnismäßig kurzer Zeit bestanden und so gut wie ausschließlich als Durchgangslager dienten. Darum wissen wir auch so viel über Auschwitz und so wenig über die anderen »Vernichtungslager«. Aller Wahrscheinlichkeit wurden keine westlichen Kriegsgefangenen in letztere geschickt, keine Hunderten von Zivilarbeitern dort beschäftigt, und ihre Insassen kamen wohl nicht in Berührung mit zahlreichen, über ein großes Gebiet verstreuten Personen. Soweit man weiß, hat das IKRK keines dieser Lager besucht, und es wurden nicht annähernd so viele Juden aus westeuropäischen Staaten dorthin deportiert (immerhin gab es zahlenmäßig starke Transporte holländischer Juden nach Sobibor).

Dies alles hat zur Folge, daß es weitaus leichter ist, die Legende in bezug auf Auschwitz zu demolieren als bezüglich der anderen »Todesfabriken«, wenn wir die allgemeinen Argumente gegen eine deutsche Ausrottungspolitik für einen Augenblick außer Betracht lassen. Genau darum reden die Verteidiger der Legende lieber von Belzec, Sobibor und Treblinka. Für diese Lager gibt es weitaus weniger direkte Beweise gegen die Ausrottungsbehauptungen, die sich größtenteils auf nach dem Krieg abgelegte Augenzeugenberichte abstützten. Diese wurden fast alle vor deutschen Gerichten abgegeben, und unter den gegenwärtigen rechtlichen und politischen Voraussetzungen in Deutschland haben die Revisionisten ohnehin keinen Zugang zu den Akten.[59] Das ist nett für unsere Gegner.

Und dennoch ist die Position unserer Gegner unhaltbar. Sie können Auschwitz nicht preisgeben, ohne auf der ganzen Linie zu kapitulieren, denn für die anderen »Tötungszentren« gibt es keinerlei Beweise, die man uns nicht auch für Auschwitz vorgelegt hätte. Wenn das Geständnis des Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß wertlos ist[60] — wer nimmt das Geständnis des Treblinka-Kommandanten Franz Stangl dann noch ernst? Wenn das, was uns Rudolf Vrba und Miklos Nyiszli über Auschwitz erzählen, jeder Glaubwürdigkeit entbehrt und die Bücher dieser Autoren Erzeugnisse kranker Hirne sind — wer glaubt dann noch an die ebenfalls kranken Hirnen entsprungenen Geschichten eines Yankel Wiernik und anderer obskuren Gestalten über Treblinka?[61] Wenn die zahlreichen ganz unbestreitbar nach Auschwitz deportierten Juden dort nicht ermordet wurden — wer glaubt dann noch an das, was man uns über Treblinka erzählt? Deshalb rate ich jenen, welche die kommenden Kontroversen zu führen gedenken, ihren Gegnern kein Abschweifen vom Thema Auschwitz zu erlauben. Die Auschwitz-Legende läßt sich nämlich sehr leicht widerlegen, und mit ihr fällt auch der Rest der Legende wie ein Kartenhaus zusammen.

Die Verteidiger der Legende greifen oft auch zu einem anderen Argument. Vor nicht langer Zeit wurde es von Hilberg vorgebracht. In dem bereits vorher erwähnten aufschlußreichen Interview, dessen Studium ich jedem, der sich über die Verteidigungsstrategien der Gegenseite ein Bild machen will, sehr ans Herz lege, sagte Hilberg:[7]

»Die Kritiker [d.h. die Revisionisten] können eine ganz einfache Tatsache nicht erklären: Was ist mit all den Menschen geschehen, die deportiert worden sind? Die Deportation war kein Geheimnis. Sie wurde angekündigt. Mehrere Millionen Menschen wurden an ganz bestimmte Orte gebracht. Wo sind diese Menschen? Sie verstecken sich nicht in China!«

In einer Zeit, wo die Presse fast tagtäglich einen Juden entdeckt, der zwar deportiert wurde, aber überlebte, wo die Ereignisse im Nahen Osten uns zwangsläufig an den großen jüdischen Exodus nach dem Krieg (ja schon während des Krieges) erinnern, und wo die revisionistische Literatur die Judendeportationen sowie die umfangreichen jüdischen Wanderungsbewegungen der Kriegs- und Nachkriegszeit nachzeichnet,[62] mutet es fast unglaublich an, daß Hilberg so zu argumentieren wagt. Es dürfte nicht allzu schwierig sein, herauszufinden, wohin es die Juden verschlagen hat. Man könnte auf den ersten Blick beinahe meinen, Hilberg sei falsch zitiert worden.

Raul Hilberg
Raul Hilberg

Obwohl Hilberg diesen Punkt nicht weiter ausführt, kann ich mir zwei mögliche Deutungen vorstellen. Er führt zwar ein Argument an, doch wie üblich wirkt dieses nur auf den ersten Blick plausibel und kann nur jene beeindrucken, die an Kurzsichtigkeit leiden und Kontext sowie Perspektive aus den Augen verloren haben.

Vermutlich spielt Hilberg darauf an, daß es zwar eine Fülle von Dokumenten über die Deportation von Juden in polnische Lager wie Auschwitz, Treblinka etc. gibt, aber keine vergleichbare Dokumentation über den Weitertransport solcher Juden an noch mehr im Osten gelegene Orte. Zumindest ich habe keine solchen deutschen Dokumente zu Gesicht bekommen, und ich wäre auch sehr erstaunt, bekäme ich unter den heutigen Umständen welche zu Gesicht. Selbst wenn die Legende auf liederliche Weise zusammengeschustert wurde, um ein Minimum an Kontinuität gegenüber der Kriegspropaganda zu wahren, so trifft es dennoch zu, daß jene Leute völlig freie Hand hatten, die sich nach dem Krieg der deutschen Dokumente bemächtigten und daraus solche als Beweismaterial für die Nürnberger Prozesse heraussuchten, die ihnen von Nutzen schienen. Sie konnten mißliebige Dokumente nach Belieben verschwinden lassen.

Man muß sich vor Augen halten, um wen es sich bei jenen Leute, die sich nach dem Krieg der deutschen Dokumente bemächtigten, gehandelt hat. Dies läßt sich auf vielfache Art klären, und zwar sowohl mit historisch-politischen Argumenten als auch durch eine simple Aufzählung von Einzelbeispielen. Der Name, der mir da immer als erstes einfällt, ist David Marcus. Marcus gehörte zu den wichtigsten Gestaltern der US-Besatzungspolitik in Deutschland in der letzten Kriegsphase sowie der unmittelbaren Nachkriegszeit. 1946-1947 war er Leiter der Abteilung für Kriegsverbrechen in Washington, und 1948 führte er die jüdischen Truppen in ihrem ersten Krieg gegen die Araber in Palästina. Es ließe sich noch mehr über ihn sagen.[63]

Hilbergs Argument besäße einiges Gewicht, spräche er über unerforschte historische Dokumente, doch wenn ich seine Aussagen richtig deute, sagt er, man solle den Architekten der Nürnberger Prozesse vertrauen. Vermutlich würde auch Hilberg nicht geltend machen, daß diese in allen Punkten die Wahrheit gesagt haben, und nur darauf beharren, daß das von ihnen über die Judenausrottung Behauptete stimmt. Wiederum sehen wir uns einem Versuch gegenüber, den Kontext vergessen zu machen und so die Logik auszuschalten. Wir können nur feststellen, daß die Urheber des Schwindels der Öffentlichkeit jenes Material vorenthalten, das ihren Betrug direkt enthüllen würde.

Hilberg könnte hier einwenden, daß es gar nicht möglich wäre, alle betreffenden Unterlagen verschwinden zu lassen, und daß die Deportation von Juden in weiter östlich gelegene Zonen zwangsläufig Spuren hinterlassen hätte. Dies stimmt schon, aber solche Spuren gibt es sehr wohl. Wenn Hilberg tatsächlich so argumentieren wollte, müßte er folgende Frage beantworten können: Wo sind die deutschen Dokumente, welche die Deportation von Juden in die nahe bei Riga gelegene Siedlung (nicht das KL Riga) sowie die Verwaltung jener Siedlung betreffen, die in Jeanette Wolfs Artikel — er steht in Boehms Buch — beschrieben wird? Ich weiß es nicht. Ich sage nicht, daß die Dokumente niemals auftauchen werden, doch weiß ich, daß sie sorgfältig aus den in Nürnberg als Beweismaterial verwendeten Unterlagen ausgesondert worden sind.[64]

Es gibt noch eine zweite mögliche Deutung für Hilbergs Aussage. So unzuverlässig die statistischen Angaben über die jüdische Bevölkerung in Osteuropa auch sein mögen, unterliegt es doch keinem Zweifel, daß die Zahl der Juden in Polen heute nur einen geringen Teil der Vorkriegsziffer (vielleicht 3 Millionen) beträgt (wobei das Territorium des damaligen Polens nicht mit dem des heutigen übereinstimmt). Ich will damit nicht sagen, daß wir die offiziellen Bevölkerungsstatistiken unbesehen hinnehmen sollen, aber im Gegensatz zur UdSSR ist Polen kein großes Land, und gäbe es dort noch nennenswerte jüdische Gemeinden, so würde man sie sicherlich entdecken.

Läßt man den historischen Kontext außer acht, scheint das Argument sehr einleuchtend: Die Juden leben nicht mehr auf dem Gebiet, das wir heute Polen nennen; folglich wurden sie umgebracht. Wer auch nur ein Minimum an Geschichtskenntnissen besitzt, dem wird dieser Schluß freilich so unlogisch vorkommen wie der folgende: Vor dem Krieg lebten östlich von Oder und Neiße viele Millionen Deutsche; heute gibt es dort nur noch wenige, also hat man die übrigen umgebracht. In jenen Jahren gab es ungeheuerliche Bevölkerungsverschiebungen, von denen auch die Juden betroffen waren. Die Sowjets haben zahlreiche Juden ins Innere der UdSSR deportiert, und nach Kriegsende strömten polnische Juden massenhaft nach Westdeutschland und von dort aus weiter in die Vereinigten Staaten, nach Palästina sowie in alle möglichen anderen Länder. Darüber wurde seinerzeit sehr viel geschrieben.[65]

Im Moment kann ich denen, die sich in der Holocaust-Kontroverse zu engagieren gedenken, kaum mehr zusätzliche Ratschläge erteilen, denn ich kann nicht wissen, was für Tricks sich die Gegenseite noch einfallen lassen wird. Vielleicht wird man uns nicht einmal jene Argumente entgegenhalten, deren sich die Sereny und Hilberg bedient haben. Noch heute stößt man als Revisionist auf den Einwand, die amerikanischen und britischen Soldaten, die Bergen-Belsen, Buchenwald und Dachau befreiten, hätten es mit ihren eigenen Augen gesehen. Die Soldaten sahen in der Tat Leichen, und seit 1945 kann man sich unschwer darüber kundig machen, daß das Massensterben in diesen Lagern auf die durch den deutschen Zusammenbruch ausgelösten katastrophalen Zustände zurückging, doch ist die allgemeine Verwirrung so groß, daß man uns dieses Argument heute noch entgegensetzt. Ich kann nur noch raten, die heutige wie die künftige revisionistische Literatur, aber auch die Hauptwerke der Gegenseite sorgfältig zu studieren, bei einer Debatte den historischen Kontext sowie die Perspektive niemals aus dem Blickfeld zu verlieren und nie in den Fehler der Kurzsichtigkeit zu verfallen.


Arthur R. Butz

Dr. Arthur R. Butz, Professor für Elektrotechnik und Computertechnologie an der Northwestern University, Evanston, Illinois, USA, bekannt geworden durch sein revisionistisches Standardwerk Der Jahrhundertbetrug (eine Neuauflage wird gegenwärtig geplant von VHO, Postbus 60, B-2600 Berchem 2)

Bibliographie

  • Yehuda Bauer, American Jewry and the Holocaust, Wayne State Univ. Press, Detroit 1981.
  • Eric H. Boehm (Hg.), We Survived, Yale Univ. Press, New Haven 1949.
  • Arthur R. Butz, The Hoax of the Twentieth Century, IHR, Torrance (erste US-Ausgabe), oder Historical Review Press, Brighton (zweite, britische Ausgabe), 1977.
  • Christopher Bush Coleman, Constantine the Great and Christianity, Columbia Univ. Press, New York 1914.
  • Christopher Bush Coleman, The Treatise of Lorenzo Valla on the Donation of Constantine, Yale Univ. Press, New Haven 1922.
  • Lucy S. Dawidowicz, The War against the Jews 1933-1945, Holt, Rinehart and Winston, New York 1975.
  • Lucy S. Dawidowicz, The Holocaust and the Historians, Harvard Univ. Press, Cambridge 1981.
  • Alexander Donat (Hg.), The Death Camp Treblinka, Holocaust Library, New York 1979.
  • Josiah E: DuBois Jr., The Devil’s Chemists, Beacon Press, Boston 1952.
  • Henry L. Feingold, The Politics of Rescue, Rutger Univ. Press, New Brunswick 1970.
  • Martin Gilbert, Auschwitz and the Allies, Holt, Rinehart and Winston, New York 1981.
  • Walter Laqueur, The Terrible Secret, Little, Brown & Co, Boston 1980.
  • Hans Rothfels, The German Opposition to Hitler, Henry Regnery, Chicago 1962.
  • Gitta Sereny, Into that Darkness, McGraw-Hill, New York 1974.
  • Wolfram Setz, Lorenzo Vallas Schrift gegen die Konstantinische Schenkung, Max Niemeyer Verlag, Tübingen 1975.
  • Wilhelm Stäglich, Der Auschwitz Mythus, Grabert Verlag, Tübingen 1979.

Anmerkungen

Vortrag gehalten von Prof. Dr. Arthur R. Butz während der internationalen revisionistischen Konferenz 1982, abgedruckt im Journal of Historical Review (nachfolgend JHR), Band 3, Nr. 4, S. 371-405. Deutsche Übersetzung von Jürgen Graf.

  1. S. 10 im englischen Original The Hoax of the Twentieth Century, Institute for Historical Review, Torrance (CA) 1985.
  2. Dt.: Am Abgrund. Eine Gewissensforschung, Ullstein Verlag, Berlin 1980.
  3. JHR, Band 2, Nr. 2, Sommer 1980: S. 153 ff.
  4. Los Angeles Herald Examiner, 2. September 1979, E2.
  5. S. 109 im englischen Original.
  6. Z.B.Spotlight, 26. Juli 1982, S. 10 ff.
  7. Le Nouvel Observateur, 3. bis 9. Juli 1982, S. 70 ff.
  8. Chicago Tribune, 5. August 1982, Sektion 1, S. 5.
  9. Z.B. Butz, S. 75-86, 146 ff.; dt.: S. 94-110, 190-193.
  10. Gilbert, S. 340.
  11. Laqueur, S. 22-25.
  12. Butz, S. 87 ff., S. 92 ff.; dt.: 111ff., 119ff.
  13. Bauer, S. 21 ff.
  14. Ebenda, Kapitel 8.
  15. Ebenda, Kapitel 9, S. 246, 264, 272, 274, 333, 366 ff., 371 ff.
  16. Laqueur, S. 4, 170 ff., 188.
  17. Gilbert, S. 31, 39 ff. 44, 170.
  18. Ebenda, S. 93 ff.; Laqueur S. 231.
  19. Laqueur, Anhang 5.
  20. Washington Post, 28. Oktober 1981, A1; Los Angeles Times, 29. Oktober 1981, S. 1, 20.
  21. Dt.: Die Nacht zu begraben, Elischa, Ullstein, Berlin 1990.
  22. Man vergleiche Wiesels Beitrag im Büchlein Dimension of the Holocaust, Northwestern University Press, Evanston 1977. Es handelt sich um die publizierte Version eines Vortrags, den Wiesel im Frühling 1977 an der Northwestern University hielt. Man lese auch den Londoner Jewish Chronicle vom 4. November 1977.
  23. Bauer, S. 264, 271, 274, 371; Gilbert, S. 121; Butz, S. 290; dt.: S. 369.
  24. Bauer, S. 56, 58; Butz, S. 109; dt.: S. 142.
  25. Gilbert, S. 204 ff.
  26. Bauer, S. 325 ff.; Gilbert, S. 121.
  27. Dawidowicz (1975), xvii; (1981) S. 125.
  28. Gilbert, S. 143.
  29. Bauer, S. 329-334.
  30. Gilbert, S. 181.
  31. Laqueur, S. 183-186; Bauer S. 188-193, 403.
  32. Butz, S. 77, 202; dt.: S. 97, 259; Laqueur, S. 68-72.
  33. Laqueur, S. 121.
  34. Gilbert, S. 325.
  35. Butz, S. 89; dt.: S. 114.
  36. Gilbert, S. 337 ff.
  37. Ebenda, S. 267-273; 290, 299-311, 341.
  38. Feingold S. 9, 170; Laqueur S. 94.
  39. Laqueur, S. 3.
  40. DuBois S. 184, 188; Butz, S. 67; dt.: S. 82.
  41. Gilbert, S. 68, 95 ff. , 99.
  42. Laqueur, S. 162 ff.
  43. Bauer, S. 229.
  44. Laqueur, S. 83, 86; Gilbert, S. 150.
  45. John Owen Beaty, Iron Curtain over America, Gordon Press, New York 1980.
  46. Butz, S. 149 ff; dt.: 193, 195; Gilbert S. 150.
  47. Dino A. Brugioni, Robert G. Poirier, The Holocaust Revisited: A Retrospective Analysis of the Auschwitz-Birkenau Extermination Complex, vermutlich bei Public Affairs Office, CIA, Washington DC 20505, weiterhin erhältlich.
  48. Laqueur, S. 55-58.
  49. Butz, Anhang E; Gilbert, S. 104 ff.
  50. Butz, S. 76, 133-145; dt. S. 94, 173-190.
  51. Gilbert, S. 129.
  52. Bauer, S. 430 ff.
  53. Laqueur, S. 152.
  54. Z.B. Butz, S. 205-212; dt.: 263-270.
  55. Butz, S. 101-108, 116, 120 ff.; dt.: 132-140,150f., 158.
  56. Butz, S. 194, 240; dt.: S. 250f., 300; Laqueur S. 18.
  57. Laqueur, Anhang 1. Die Fälle des Politikers und Journalisten Lemmer sowie des Ökonomen Sommer, die angeblich Informationen über eine Massenausrottung an Schweizer Kontaktleute weiterleiteten, sind von zweifelhaftem Wert. Lemmer war nicht mit der Abwehr assoziiert, und seine Autobiographie enthält, wie Laqueur feststellt, keine Behauptungen, er habe Nachrichten über Massenausrottungsaktionen weitergegeben. Sommer war ein Verbindungsoffizier zwischen dem Generalstab und der Abwehr und reiste auch zwecks der Förderung von Handelsbeziehungen in die Schweiz. Man kann aus Gilbert, S. 56 ff., folgern, daß ein im Sommer 1942 entstandener Bericht, in dem es hieß, Lager würden vorbereitet, wo alle Juden Europas und ein großer Teil der russischen Kriegsgefangenen mit Gas ausgerottet werden sollen, nicht von dem im Jahre 1965 verstorbenen Sommer, sondern von zwei jüdischen Verbindungsleuten stammte. Erwähnenswert ist auch, daß allem Anschein nach weder Lemmer noch Sommer ernstlich in die Opposition gegen Hitler verstrickt gewesen sind; beide überlebten den Krieg.
  58. Rothfels, S. 125-151.
  59. Nach BRD-Gesetz sind die Prozeßakten der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Ausnahmen werden nur bei Personen gemacht, die persönlich in einen Fall verwickelt sind oder wissenschaftliches Interesse an gewissen Aspekten eines Prozesses geltend machen können. Dr. Wilhelm Stäglich, ein pensionierter deutscher Richter, Autor des Auschwitz Mythos, durfte die Prozeßunterlagen nicht studieren. Man vergleiche dazu seine eigenen Ausführungen auf S. 371 ff. seines Buchs. Laut Dr. Robert Faurisson besagt ein von einem Beamten des Justizministeriums, Dr. Hans de With, an Die Realschule (Oktober 1981) gesandter Brief, daß Faurisson im Fall seiner Einreise in die BRD verhaftet und nach Frankreich abgeschoben wird.
  60. Butz, Kapitel 4. Zur endgültigen Klärung der Frage des Höß-Geständnisses siehe Faurissons Beitrag im Journal of Historical Review, Band 1, Nr. 2 (Sommer 1980), S. 103 ff., sowie Band 2, Nr. 4 (Winter 1981), S. 311 ff., 319 ff.
  61. Donat.
  62. Butz, Kapitel 7.
  63. Butz, S. 20-30; dt.: S. 17-32.
  64. Butz, S. 219 ff.; dt.: S. 278-281.
  65. Butz, S. 14-17, 217-239; dt.: S. 10-13, 277-299.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 3(4) (1999), S. 391-410.


Posted at this web site 7 November 2000

Back to home page.